„Nein“ – sagte Mette zögernd. „Es liegt wohl an mir. Ich habe nie eine Freundin gefunden. Aber ich habe auch nie eine gemocht.“

„Es ist nicht leicht“ – sagte Olga nachdenklich. „An unseren besten Freunden gehen wir meist um ein paar Jahrhunderte vorüber. Von manchen wissen wir. Wenn wir von ihnen lesen oder ihre Bilder sehen. Aber das sind doch nur die wenigsten. Und von denen, die nach uns geboren werden, wissen wir gar nichts. Darum beneide ich die Schaffenden so. Sie können denen, die nach ihnen kommen, einen Gruß zuwinken. Sie können sich selbst festhalten in Worten, in Bildern, in Taten. Ja, in Taten auch. Das ist dann wie ein Schrei: So bin ich! So war ich! Habt mich lieb! Und wenn sie bei ihren Lebzeiten niemand gefunden haben, so wird vielleicht in hundert Jahren einer geboren, oder in zweihundert, der sie liebt, so wie sie geliebt sein wollten. Der sie versteht, so wie sie verstanden sein wollten. – Wir armen Hunde – wenn wir tot sind, werden wir ganz gewiß nicht mehr geliebt. Nicht in zehn Jahren mehr, ach, nicht in zehn Monaten. Ich möchte manchmal ...“

Ihre Augen standen tief dunkel und drohend unter den zusammengezogenen Brauen.

Sie brach ab und setzte mit einer anderen Stimme wieder ein:

„Wissen Sie, unter den Menschen der Renaissance sind sehr viel sympathische Leute. Man hätte doch wohl vier, fünf Jahrhunderte früher leben müssen. Ich wäre ganz sicher mit Margherita Sforza befreundet gewesen. Ich hab’ vorhin gerade so eine famose Geschichte von ihr gelesen, wie sie ihrem Bruder seine Besitzungen erhielt, als Julius Cäsar gegen sie abgeschickt wurde.“

In Mettens Kopf erhob sich ein Wirbel, der einem Schwindelgefühl nicht unähnlich war.

Renaissance – das war ihr ein vertrauter Begriff.

Mit dem Namen Sforza verband sie eine dämmernde Vorstellung.

Aber – „Julius Cäsar?“ murmelte sie fassungslos.

Olga lachte: „Nein, nein, nicht der! Julius Cäsar von Capua.“ Und dann setzte sie gleich wie begütigend hinzu: „Ein kleines, dummes Fürstchen! Sie brauchen ihn nicht zu kennen.“