„Es ist so schön. Ich liebe es so. Und ich bin so froh, daß ich es lieben kann ... Es war ein Abschiedsgeschenk ... und es war ein so schöner Abschied.“

In Metten regte sich qualvoller Widerspruch.

„Ein schöner Abschied!“ sagtet sie bitter. „Gibt es so etwas auch?“

Olga richtete sich hastig auf.

„Ja, Mette,“ sagte sie voll Eifer. „Und es sollte es noch viel, viel öfter geben. Es ist ein Unglück, daß die Leute nicht verstehen, auseinanderzugehen. Lern’ es, Mette, lern’ es beizeiten.“

„Nein,“ sagte Mette verstockt, „ich werd’ es wohl niemals lernen. Leute, denen die Liebe nur ein Spiel ist, die können sich auch aus dem Abschied ein Spiel machen.“

„Mette,“ sagte Olga ernst, „du bist ein Kindskopf. Glaubst du, daß das ein Beweis großer Liebe ist, wenn ich mich an einen Menschen klammere, bis er meiner überdrüssig ist? Ich will lieber zehntausend Tode sterben, als einem Menschen lästig sein, den ich liebe. Es ist keine Kunst, einen Anfang zu finden. Ich glaube, daß jeder Mensch jeden Menschen erobern kann. Und immer wird der Anfang schön sein. Und immer das Ende scheußlich, bitter, qualvoll, ekelhaft. Es ist eine schwere Kunst, ein Ende zu machen. Zur rechten Zeit. Und auf die rechte Art. Lern’ es, Mette, lern’ es beizeiten!“ – – –

Die drei saßen zusammen: Peterchen, Mette und Olga.

„Ich begreife dich nicht,“ sagte Peterchen mit seiner leisen, gebrochenen Stimme, „ich begreife dich nicht, Olga, daß du die Bettine nicht lieben kannst. Ich dachte gerade, das müßte ein Mensch für dich sein. Ein Mensch von so reicher Begabung, von fast unheimlicher Phantasie, von beinah wildem Temperament, dabei solche Anmut, solche Zartheit der Empfindung. Wenn man von der Frau weiter nichts wüßte, als die Geschichte ihrer Verheiratung, müßte sie einem doch schon sympathisch sein.“

„Ja,“ sagte Olga, „dann ja! Aber man weiß eben zu viel von ihr. Oh, sie ist so aufdringlich und so verlogen, so gemacht genialisch, so mit Koketterie unbändig, mit Vorsatz leidenschaftlich. Nichts auf der Welt ist mir so verhaßt. Denk dir – so sehr ich Klemens liebe – wenn ich manchmal glaube, die Verwandtschaft zu spüren, mag ich ihn nicht. Und dann – du weißt ja – verzeih ich ihm auch seine unglückliche Liebe zu Mariannen nicht.“