„Geh, geh, geh!“ sagte Olga.
Da griff Mette Rudloff nach ihrem Hut und ging. Sie mühte sich, gerade und aufrecht zu gehen. Sie taumelte ein wenig, als sie die Tür hinter sich ins Schloß zog und mußte sich gegen die Wand lehnen. Sie stützte sich mit ihrer ganzen Schwere gegen das Geländer, weil die Treppe unter ihr wie ein rasender Strudel kreiste.
Aber sie ging. – – –
Eine Handvoll Tage verlebte Mette in stumpfer Qual.
Im dämmernden Erwachen fiel ihr ein, daß sie heute nicht den Weg nach der Motzstraße nehmen dürfe. Heute nicht, morgen nicht, vielleicht nie mehr. Sie war verbannt, verstoßen, ausgeschlossen von allen Freuden des Lebens.
Lang, grau und öde dehnte sich der Tag vor ihr. Bleischwere Müdigkeit lag ihr in allen Gliedern. Wenn die Telephonklingel schrillte, fuhr sie mit rasendem Herzschlagen auf, wie aus tiefer Lethargie. Aber niemals galt es ihr.
Es war schlechtes Wetter in diesen Tagen, kühl und regnerisch.
In einer Sonntagnacht fegte der Wind den Himmel blank von Wolken und die Straßen trocken.
Am Morgen funkelte ein blauer Sommerhimmel über der Stadt.
Die Sonnenstrahlen, die auf einer Kante des Schrankspiegels tanzten, weckten Mette.