„Nanu?“ Mette war immer noch mehr belustigt als erregt. „Warum soll ich denn eigentlich total verkommen? Weil ich mit einem jungen Mann spazieren gehe? Ach Gott, der arme kleine Petermann. Hast du ihn vielleicht gesehen? Ich kann ihn dir ja mal vorführen, vielleicht bist du dann beruhigt!“

„Was ist denn das für ein Mann?“ fragte jetzt Franz Rudloff mit gerunzelten Brauen. Es sollte vielleicht energisch und streng klingen. Es klang eher schüchtern.

Mette empfand für ihren Vater ein zärtliches Mitleid, das nicht frei von Verachtung war.

„Ach Gott, Papa,“ sagte sie, „ein netter, intelligenter Mensch. Aber ein armes, krankes, verwachsenes Kerlchen. Wahrhaftig, kein Mann, der der Tugend oder dem Rufe eines jungen Mädchens gefährlich werden könnte.“

„Einem normalen jungen Mädchen vielleicht nicht,“ sagte Tante Emilie, zitternd vor Bosheit. „Leider weiß ich ja nicht, wie weit bei dir die Voraussetzung der Normalität zutrifft. Es gibt ja leider Frauen genug, die sich in krankhafter Geschmacksverirrung zu allem Abstoßenden und Ungesunden hingezogen fühlen. Gerade wie es leider Gottes Frauen gibt, die jedem Neger nachlaufen.“

Mette schob ihren Stuhl zurück, daß er hart den Boden schrammte.

„Du bist ja total irrsinnig!“ sagte sie. Weiter nichts. Dann ging sie mit ihren großen, festen Schritten ins Nebenzimmer ans Telephon und stellte die Verbindung her.

„Kann ich Herrn Petermann sprechen? ... Verzeihen Sie, Peterchen, ich muß Sie heut’ versetzen ... Meine Tante erlaubt nicht, daß ich mit Ihnen spazieren gehe ... ja, es tut mir auch leid – aber da kann man nix machen – meine Tante findet es unschicklich ... nein, nein, klingeln Sie lieber nicht an, das ist vielleicht auch unpassend. Grüß Sie Gott. Lassens sich’s gut gehen!“

Ohne sich umzuwenden, ohne nur einen Blick ins Nebenzimmer zurückzuwerfen, ging sie in ihre Stube und schloß und riegelte sich ein.

Damit hatte der freundschaftliche Verkehr mit Petermann fürs erste ein Ende. – – –