„Ausgerechnet über die Unsterblichkeit der Maikäfer?“
„Ja, ausgerechnet über die Unsterblichkeit der Maikäfer. Ich möchte wissen, von wem das Wort stammt. Man kann nämlich über nichts so tiefsinnig werden.“
„Als gerade über die Maikäfer?“
„Meinetwegen auch über die Stubenfliegen. Oder über die Skorpione. Oder über die Kellerasseln. Glaubst du, daß eine Stubenfliegenseele in einen Maikäfer fahren kann? Oder umgekehrt? Oder glaubst du, daß sie gleich in den Himmel kommt? Oder glaubst du, daß Elefanten auf einer höheren Stufe stehen als Menschen? Oder daß es mehr als sechzehnhundert Millionen Elefanten gibt?“
„Olga!“ rief Mette zwischen Lachen und Verzweiflung und hielt sich die Ohren zu. „Hör’ auf! Bist du denn verrückt geworden?“
„Nein, nein, nein!“ sagte Olga eigensinnig. „Ich denke fortgesetzt darüber nach.“
„Worüber eigentlich?“
„Über die Unsterblichkeit der Maikäfer. Glaubst du, daß sie eine unsterbliche Seele haben? Ich will dir sagen, wie ich darauf kam. Ich las da eben vom Regenerationsvermögen gewisser niederer Tiere. Weißt du, wenn man sie halbiert, wächst einfach jedem die fehlende Hälfte nach, und es sind nun zwei da. Der Mann macht da auch die tiefsinnige Bemerkung, in welcher Hälfte sitzt nun die unsterbliche Seele? Oder teilt sich die Seele? Oder hat der Mensch die Macht, durch das Seziermesser eine neue Seele zu schaffen? Oder herbeizulocken? Wenn man anfängt, kommt man in ein solches Labyrinth.“
„Glaubst du denn an die unsterbliche Seele?“ fragte Mette zweifelnd.
„Bei niederen und niedersten Tieren? Gewiß! Aber wenn dich das Wort Seele stört, lassen wir’s fort. Ich möchte dir’s so gern klarmachen.“