Mit einem Ruck zog sie das Blatt hervor. Ihr Herz hämmerte wie rasend, vor ihren Augen war ein dichter Schleier, die Buchstaben flackerten auf dem Papier. Es war ein Bogen mit Firmenaufdruck, wenige Worte – Zahlen ...

Mette hörte Olgas Stimme vor der Tür und schob das Blatt hastig in die Tasche. Olga würde es kaum vermissen. Und in Metten, obgleich sie kaum gelesen, kaum begriffen hatte, was da stand, war schon ein Plan fertig.

Mette hatte es heut’ sonderbar eilig, nach Hause zu kommen. Sie war zerstreut und einsilbig, so, daß Olga einmal fragte:

„Was hast du heut’? Ist dir was passiert? Bist du schlechter Laune?“

Mette erinnerte sich belustigt des Gespräches beim Kommen.

„Im Gegenteil!“ sagte sie mit übertriebener Betonung, deren Ursache aber Olga nicht ins Gedächtnis kam – „Ich bin sogar sehr guter Laune!“ –

Mette schloß sich daheim in ihrer Stube ein und studierte den Brief wie ein wichtiges Dokument – das also war das Liebesglück, das vor ihr geheim gehalten wurde.

Die Firma ersuchte „nochmals“ um Zahlung von einigen Hundert Mark, „widrigenfalls wir die Sache zu unserem Bedauern unserem Rechtsanwalt überweisen müßten“.

Mettens Herz war zum Überfließen voll von zärtlichem Mitleid.

„Armes, Liebes!“ dachte sie, „so quälen sie dich!“