„Ich?“ sagte Mette und bemühte sich, ein harmloses Gesicht zu machen, „was hab’ ich denn gemacht?“

„Du weißt ganz genau, was du gemacht hast!“ sagte Olga streng. „Du hast dich unverantwortlich benommen. Unverantwortlich! Ich dulde es nicht, daß sich jemand in meine Angelegenheiten mengt. Und von dir dulde ich es am allerwenigsten. Siehst du nicht ein, was für eine unerhörte Anmaßung in deinem Benehmen liegt? Willst du mich unter Kuratel stellen? Oder willst du mich aushalten? Was denkst du dir denn eigentlich?“ Sie ging mit großen Schritten hin und her. Ihr Ton war immer hitziger und heftiger geworden. Jetzt blieb sie plötzlich, an den Schreibtisch gelehnt, stehen, kreuzte die Arme und sagte ganz ruhig, nur mit einer leisen Bewegung des Kopfes:

„Wie bist du denn überhaupt zu der Rechnung gekommen?“

Mette schrak zusammen. Das war der Augenblick, den sie gefürchtet hatte. Alles andere war vielleicht Torheit, aber es war gutmütig, selbstlos gehandelt, sie konnte es mit einem Schein des Rechtes verteidigen, wenigstens vor sich selber. Aber auf diese Frage konnte sie keine Entschuldigung hervorbringen.

Jetzt war doch alles aus. Mit keiner Lüge konnte sie sich mehr retten. Da beschloß sie in verzweifeltem Trotz die Wahrheit zu sagen. Sie warf den Kopf zurück und sah zu Olga auf, mit einem Gesicht, als wollte sie sagen: ich habe den Tod verdient, aber ich fürchte ihn nicht.

„Ich habe sie gestohlen!“ sagte sie. „Von deinem Schreibtisch.“

Olga blieb ganz ruhig. Sie zog nur ein wenig die Brauen zusammen als müsse sie sich besinnen. „Sie war gekommen, während du da warst, nicht wahr?“

„Ja!“

„Aber ich habe sie doch nicht offen liegen lassen. Ich weiß jetzt ganz genau – ich hatte sie irgendwo unter die Bücher geschoben.“

„Ja,“ sagte Mette mit zusammengebissenen Zähnen, „aber ich habe sie da vorgezogen.“