„Nein,“ sagte Mette verstockt. „Ich hatte auch einen Grund, natürlich hatte ich einen Grund. Aber ich kann ihn nicht sagen.“

„Wenn du ihn nicht sagen kannst,“ sagte Olga mit einem sanften Lächeln, „dann will ich dich auch nicht danach fragen. Aber ob mit, ob ohne Grund – sag’ mal – findest du es eigentlich schön?“

„Nein!“ gestand Mette ehrlich.

„Nicht wahr?“ sagte Olga rasch. „Ich finde es auch nicht schön.“ Und nach einer Pause fügte sie nachdenklich und fast schmerzlich hinzu: „Aber begreiflich. Trotzdem – laß’ es. Mißtrauen ist etwas so Häßliches. Wenn ich etwas geheim halten will, liebes Kind, dann mach’ ich das so raffiniert, daß man mir mit so törichten kleinen Streichen nicht dahinter kommt!“

Es war in ihrem Ton eine so hohnvolle Überlegenheit, daß Mette erschrak. Sie fühlte die Wahrheit dieser Worte, sie fühlte, daß Olga wie mit Mauern umgeben war, durch die sie – die dumme, kleine Mette – niemals zum Kern ihres Wesens gelangen konnte, auch wenn sie ihr nachspürte wie ein Verbrecher und heimlich ihre Briefe las.

Es schien, als ob Olga Mettens wortloses Erschrecken gefühlt hätte.

Sie sagte plötzlich mit ihrer tiefen, warmen Stimme:

„Im übrigen verberge ich dir ja nichts. Nichts, was dich interessiert. Ich schreibe keine Liebesbriefe und kriege keine. Wenn’s dich aber einmal reizt, irgend etwas in Erfahrung zu bringen – frag’ mich – es ist der glätteste Weg.“

Der gute und herzliche Ton tat Metten unendlich wohl, zehnfach wohl nach der Angst, die sie ausgestanden hatte. Sie machte eine unwillkürliche Bewegung. Ein heiß aufwallendes Gefühl trieb sie zu Olga hin, um ihr in Dankbarkeit die Hände zu küssen. Olga sah oder fühlte diese Regung – sie wehrte sie ab. Es war nur ein kaum merkliches Zucken, das um ihre Brauen lief und das Metten zurückscheuchte und an ihren Platz bannte.

„Ich möchte Arabisch lernen,“ sagte Olga rasch, beinah hastig, mit einem gewaltsamen Sprung der Gedanken. „Ich habe mir neulich die Schriftzeichen erklären lassen. Die Schrift ist wie die Erfindung eines klugen und unendlich sympathischen Mannes. Alles logisch, einfach und dabei von ästhetischem Reiz.“