Nun fiel Metten die Erinnerung an den Heimweg wieder wie eine Last aufs Herz. Die Erinnerung an den Heimweg, die Erinnerung an den verdorbenen Tag.
Sie ließ Olgas Hände los.
„Vielleicht darf ich auch mal fragen,“ sagte sie, „ich bin doch schließlich kein kleines Kind, das einfach alles hinnehmen muß und dem man sagen kann: das verstehst du nicht. Ich hab’ es bis dahin satt, mich ewig von Geheimnissen umgeben zu fühlen. Was hätte mir geschehen sollen? Was hat es für eine Bewandtnis mit diesem Mann? Kennst du ihn persönlich? Aus Wien? Und woher? Ich meine, was hast du für Beziehungen zu ihm?“
Mette wunderte sich selbst, woher sie die Kühnheit hatte, in einem so strengen und schulmeisterlichen Ton zu reden.
„Unsinn!“ sagte Olga mit einem nervösen Lachen. „Doch nicht den! Das ist doch nicht derselbe!“
„Nicht derselbe?!“ sagte Mette beinah ärgerlich, mit hochgezogenen Brauen. „Was heißt das wieder? Wer nicht derselbe? Nicht derselbe was?“
„Laß mich doch in Ruh,“ sagte Olga böse, „ich laß mich nicht inquirieren! Du kannst mir ja gleich Daumenschrauben anlegen. Wenn du mich nicht mehr leiden magst, dann geh! Ich halt’ dich nicht! Ich halt’ keinen Menschen! Aber laß mich in Ruh!“
Sie sprach zornig, aber mit einer seltsam vibrierenden Stimme und suchte unter dem Berg von Kissen nach ihrem Taschentuch.
Als sie es gefunden hatte, riß es ihr Mette mit einer halb unwillkürlichen Bewegung aus den Fingern. Der kleine weiße Ballen war fest zusammengedrückt und ganz feucht.
„Hast du geweint?“ fragte Mette in grenzenlosem Erstaunen.