»Nehmt das Kind doch mit, daß sie eine kleine Abwechslung hat!«

»Aber Tante Ida, du glaubst doch selbst nicht, daß ich dich allein lassen würde? Nein, sei ganz ruhig; das Hierbleiben ist mir durchaus kein Opfer, sondern es wäre mir direkt eine Strafe, da zwischen die fremden Leute zu müssen.«

»Erlaube, Hanni, nun wirst du wirklich wunderlich. Seit wann sind dir denn Rantzaus fremd?«

Sie wurde rot und mußte über das empörte Gesicht der Tante lachen. »Ja, ich habe sie aber doch seit Ewigkeiten nicht gesehen. Dann soll man soviel erzählen von Reiseerlebnissen! Mich schaudert, wenn ich daran denke!«

Die Tante verlachte Hanni herzlich wegen ihrer Menschenscheu; als aber die Geschwister abgefahren waren, kam sie mit einem Vorschlag: »Kind, im Frühling batest du mich mal, dir zu erzählen, seit wann ich so gebrechlich sei, und wie es war, als wir hier noch in Kinderschuhen herumsprangen. Damals sagte ich dir, um solche Erinnerungen herbeizurufen, brauche man mehr Zeit und Ruhe, als wir eben hatten. Möchtest du heute davon hören?«

»O liebe, süße Tante Ida, du weißt immer, was man braucht! Warte, ich lege noch Holz auf die Glut – so brennt es wieder an. – Äpfel sind auch noch da. – Aber den kleinen Stuhl muß ich wieder herholen, auf dem ich immer saß. – So ist’s richtig! – Nein, deine Hand muß ich noch haben.

Und nun ist wieder alles wie damals, nicht? Und was dazwischen liegt, vergessen wir. – Aber nein, alles nicht,« schloß sie leise, und legte ihre Stirn auf die weiche, alte Hand, die sie sanft streichelte.

24. Kapitel.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken.