»Lisbeth sagt, sie könne auf keinen Fall mit aufs Land gehen, sie hätte die ganze Nacht vor Angst kein Auge zugetan.«
»Was soll denn das bedeuten? Warum sagt sie das nicht gleich? Es hat sie doch niemand gezwungen? Nun solche Quackelei im letzten Augenblick! So recht Weiberart!«
»Nein, Vati, hieran hat allein Franz schuld. Er ist auch vom Lande und hat ihr nun alles gesagt, wie es dort wäre: Ihre hübschen Lackschuhe sollte sie ruhig hier lassen; sie müßte barfuß die Gänse hüten; auf dem Bilde im ›Daheim‹ könne sie es ja sehen!«
»Sie, Gänse hüten? Ha, ha, ha! Sie ist ja selber ’ne Gans!« –
»Und jeden Morgen um vier würde geweckt. Dann müßte Lisbeth in den Stall, die Kühe zu melken – zwölf nacheinander! Einige schlügen so mit dem Schwanz, daß von ihrer Haarfrisur überhaupt nichts nachbliebe – aber sie dürfe nicht mucksen, denn wer etwas von der Milch verschütte, dem ginge es übel. Um sechs gebe es Frühstück! – Aber Kaffee oder gar ihren geliebten Kakao kenne man dort nicht. Mehlsuppe mit faustdicken Klütern – dabei rieb er sich ordentlich den Magen vor Wonne – und dazu Schwarzbrot. Davon hätte er die weißen Zähne und brauchte nicht sein Geld zum Zahnarzt tragen wie die zimperlichen Stadtpuppen! – Dann, sagte er, ginge es ins Heu. Lisbeth müsse mit solcher großen Gabel oben auf einem Fuder stehen, und wehe, wenn sie das Heu schief hinpackte. Im Galopp würde heimgefahren, und wenn sie nicht ordentlich aufgepackt hätte, flöge sie mitsamt ihrer Gabel herunter und spießte sich auf oder würde von den Pferden zertreten! – Und wenn sie ihre rote Schürze mitnähme, die sie so schön findet, dann ginge es ihr ganz elend: Auf dem Hof käme der Puterhahn und kratzte ihr die Augen aus, und wenn sie sich in den Stall flüchten wolle, so nähme der Stier sie auf die Hörner, und dann sei es mit ihr aus!«
Der Major hielt sich die Seiten vor Lachen. »Aber das ist ja ein ganz infamer Esel, ihr so was vorzulügen. Dem werde ich den Kopf waschen, daß ihm das Flunkern vergeht!«
»Weißt du, Schatz,« meinte Frau Gerloff, »ich finde, wir mischen uns gar nicht in diese Dummheiten. – Hanni, soviel Erinnerung hast du doch noch an Schönfelde, daß du ihr erzählen kannst, wie es dort zugeht. Und dann sag ihr, von Franz wäre es der reine Neid, daß er nicht mitkönne, sondern noch zwei Jahre im bunten Rock stecken müsse! – Was würde ihre gute Mutter sagen, wenn aus dem schönen Plan nichts würde, dem blassen Stadtkind endlich rote Backen anzupflegen. Geh und setze ihr den Kopf zurecht, und dann nehmt alle Gedanken zusammen, daß wir nichts Nötiges versäumen!«
So zerstreuten sich auch diese Wolken, und mit steigender Erwartung sah alles dem Tage der Übersiedlung entgegen.