Die Kinder im Herrenhause wurden streng abgeschlossen, und sie hatten trübe Tage, wo sie die sonst so frohen Eltern wenig sahen.

Aber als dann doch der Tod an das bisher so ganz glückliche, immer sonnige Herrenhaus anklopfte – als der herzige kleine Hans, der noch nie krank gewesen, sich Tage und Nächte in den schrecklichsten Qualen wand – da konnte der junge Vater nicht glauben, daß dies Wahrheit sei.

Wenn noch vor zwei Wochen der stramme, kleine Pony mit dem fünfjährigen Bürschchen neben dem schönen Pferde des Vaters hertrabte, dann hatte jeder Arbeiter auf dem Felde, an dem sie vorbeikamen, einen Augenblick die Hände ruhen lassen und dem Paar nachgesehen. Über die teilnahmlosesten Augen war ein heller Schein gehuscht, wenn sie bemerkten, wie der Kleine – das Ebenbild des stattlichen Vaters – Zügel und Peitsche genau so faßte wie der, und dabei so treu und ehrenfest aus den blitzblauen Augen sah.

Das konnte doch nicht alles vorbei sein, zerstört werden? Unmöglich!

Der Rittmeister hielt es nicht mehr aus in den dumpfen Zimmern – der Sommer war auch zu heiß! Ziellos schritt er über den Hof. Da kam ihm ein junger Tagelöhner mit verstörtem Gesicht entgegen. Schon als Jungen hatte er ihn gut leiden können; der zwei Jahre ältere hatte ihm geschickt geholfen, Borkenschiffe und Weidenflöten zu schnitzen. – Diesen Augenblick sah er aus wie ein alter Mann.

»Wat is, Hinrich?«

»Herr, mit Paul iss’t uk vörbi! – min Letzt,« fuhr es ihm mit rauher Stimme heraus.

»Ne, Hinrich, – is’t möglich? – Gott bewohr dien arme Fru!«

»Gott?« – lachte der arme Mensch heiser auf, »wenn dei noch lewt – üm uns kümmert hei sik nich mihr!«

»Still, Hinrich, du weißt nich, wat du sprickst!«