»Ja, Herr, dei Roggower Inspekter sähr mal, son’n lütten frommen Pony müggt hei woll vör de oll gnädig Fru ehren Parkwagen hebben. – Ik mein, ob ik em nu nich röwer bringen süll, dat man uns’ Madam em nich mihr vör Ogen kreg! – Hei kriegt dat dor gaud – und denn is’t doch beder, dei oll Dam’ hätt em, as wenn anner lütt Jungs –«
Der Rittmeister wendete sich rasch ab, und der gutmütige Knecht fürchtete, etwas Verkehrtes gesagt zu haben. Aber gleich darauf kehrte der Herr um und drückte dem Getreuen hastig die schwielige Hand, was er noch nie getan.
»Bring min Pird, Hinrich, – ik will na dei Roggenmieten seihn – und wenn’t düster watt, kannst du den Pony röwer bringen.«
Am selben Abend ließ die bleiche, junge Frau den vereinsamten Vorknecht auf die Diele rufen: »Hinrich Kurt, der Herr hat davon gesprochen, daß der alte Kutscher Wilhelm gern aufs Altenteil will, und daß dann wohl Sie Kutscher würden.«
Hörte er recht? Dies war das Ziel seiner Wünsche gewesen – jetzt war ihm alles gleich. – Aber die schöne, junge Frau sah ihn so teilnehmend an, daß ihm warm ums Herz wurde.
»Dann wäre es wohl besser, Sie wären immer dicht bei der Hand. Deshalb habe ich Mamsell Bescheid gesagt, daß sie die Stube neben dem Gärtner für Sie herrichte. – Es ist auch besser, wenn Sie nicht immer allein sind,« fügte sie leiser hinzu. »Überlegen Sie sich’s mal.«
»Ne, dor is nix tau öwerleggen,« meinte Hinrich, der die ganze Zeit über seine Mütze zu einem Knäuel gedrückt hatte. »Wenn Madam dat so inseih’n, denn is’t gaut – dat sähr Rieke ok ümmer.«
So vergaßen Herr und Knecht auf Stunden das eigene Leid über dem Schmerz des anderen. Und dann waren Jahre gegangen und gekommen mit Sommer und Winter, Frost und Hitze – und in vieler, ernster Arbeit hatten die Herzen wieder Ruhe gefunden.
Aber eins war anders als früher. Alle Leute hatten früher »den jungen Herrn Rittmeister« gern gehabt und geachtet. Jetzt sahen sie zu ihm auf. Sie hatten in der Not den Kopf verloren – er nicht. Sie waren in Gefahr gewesen, Gott zu verlieren. Er hatte ebenso gelitten wie sie und hatte seinen Blick fest auf Gott gerichtet behalten – das hatten sie gefühlt. Sie haben ein feineres Gefühl, als die Städter meinen.
Und noch eins war anders geworden: Seit alters hatten die Gerloffs ein Herz für ihre Leute gehabt. Das war ihnen ganz selbstverständlich. Auch die getreuen Haustiere versorgt man gut und gibt ihnen, was sie brauchen. Wer täte das nicht!