»Ach, das ist ja gar nicht anders möglich! Es ist wirklich zu schön hier! Aber wo bleibt denn das Kind? Ich überlasse dir auch alles. Das ist doch zu arg!«

»Else, es ist ja meine größte Freude! – Nun schlaf nur; ich bringe Hanni schon zur Ruhe. Auf morgen!«

Hanni hatte der Ungeduld nicht widerstehen können, einmal durch den Garten zu springen, und kam eben atemlos wieder durch die große Glastür herein. »O Tante, Tante! Dies ist wie ein Märchen!«

»Dann kannst du es ja nun im Bett zu Ende träumen; komm nur.«

»Schon? Ja, wo schlafe ich denn?«

»Wir wollen mal sehen. Komm nur.«

Über den großen Vorsaal ging’s wieder in den kleinen Nebenflur an Tante Idas Zimmern vorbei. »Sieh, Liebling, hier hausen wir ganz verträglich nebeneinander. Das ist dein Schlafstübchen – dort die kleine Tapetentür.«

»Nein, Tante, das ist nun ein wirkliches Märchen!« Sie hatte vorhin die kleine Tür gar nicht bemerkt. Als sie nun geöffnet war, warf die rosa Ampel ihr Licht in den hinteren Raum, und jetzt war es sehr schwer zu sagen, was schöner war: das Wohnstübchen oder die kleine Schlafkammer. Alles war schlicht und praktisch, aber so zierlich und anmutig in seinem reinen Weiß, daß jetzt die Gefahr, unter Hannis Umarmungen zu ersticken, für die gute Tante wirklich groß war.

»Dies alles soll mein sein? Ich kann es nicht glauben!«

»Ja, Liebling, und jedes einzelne hat dir viel zu erzählen! Sieh, die weißen Mullgardinen hat meine Jugendfreundin mir gestickt. Dies glänzende Leinen hat deine Urgroßmutter gesponnen auf dem Spinnrad dort; ich sehe noch ihre weichen, weißen Hände, mit denen sie mir die Locken von der Stirn strich – damals,« fügte sie leise errötend hinzu; »jetzt habe ich längst keine mehr. – Diese weißen Bezüge für die Tischchen brachte mein Vater einmal aus der Schweiz mit; Mutter war kürzlich gestorben, und er wollte mir gern eine Freude machen. – Damals war das eine große Pracht! – Dies weiche Fell vor deinem Bett gehörte meinem Lieblingslämmchen. Aber nun leg dich hin und schlafe süß; morgen ist wieder ein Tag, und ich kann dir noch viel erzählen! – Sieh, diese andere kleine Tür führt durch einen leeren Raum in mein Schlafzimmer, – ich will sie nur angelehnt lassen. Wenn du irgend etwas möchtest, so rufe nur, ich kann dich hören.«