6. Kapitel.
Hundstage.

Die geplanten Besuche und die Regelung des Unterrichts waren nach Wunsch verlaufen, und bald war das Leben in so festem Geleise, daß die wenigen Wochen bis zu den Ferien im Fluge dahingingen und bevor man’s gedacht, der Tag vor der Tür stand, der die ersehnten Gäste herbeiführen sollte.

Das gab eine Geschäftigkeit für Tante Ida und ihren Adjutanten, wie der Major Hanni nannte. Die Versorgung der Gastzimmer hatte die Tante einstweilen sich selbst und ihrem alten Stubenmädchen vorbehalten, und nun war es von größtem Interesse für Hanni, alle zur Verfügung stehenden Zimmer zu prüfen, und zu beraten, welche für die lieben Freunde die schönsten sein würden. Ihr Sinn stand nach einem Erkerzimmer mit einer Kammer daneben; aber »das muß für die beiden Oberinnen freibleiben,« sagte Tante Ida. »Es sind alte, würdige Cousinen von uns, die jeden Sommer einige Wochen zu Besuch kommen.«

»Dann nehmen wir den Sommersaal, nicht?«

»Nein, Hanni, ich glaube nicht; da ist kein Nebenraum, und es ist gar nichts für die liebe Platen, die Trabanten immer alle um sich zu haben. Ich meine, wir machen für Käte unser kleines Vorzimmer zurecht, dann hast du sie dicht bei dir.«

»O Tante Ida, wenn das ginge, das wäre das allerschönste!«

»Ja, und deine Tante könnte Nr. 6 bekommen und die drei Jungen in der Kammer daneben schlafen.«

»Gewiß, Tante Ida; aber darf ich mal eins sagen? Dürfte nicht Ernst die Kammer ganz für sich allein haben, und für die Zwillinge machten wir eine kleine Ecke im Zimmer der Mutter zurecht? Du sollst Ernst bloß kennen lernen. Den möchte ich zu gern mal ordentlich anwärmen. Der arme, kleine, magere Wicht kommt mir oft vor wie ein kümmerliches Bäumchen, dessen Wurzeln keinen rechten Platz haben. Ich möchte ihn schön in die Sonne pflanzen, um ihn graben und ihn tüchtig begießen. Du solltest sehen, wie er die Zweige recken würde!«

»Und du meinst, diese Kammer wäre ein so besonders lockerer Boden für ihn?« neckte die Tante.