Als Schack dann nach Jahren die zweite Ehe schloß, die wirklich das größte Glück für alle Teile hätte sein können, da wurde auch die Sache gleich im Anfang verdorben. Falsche Freunde machten den früher so offenen und arglosen Hermann mißtrauisch. Und als gar ein kleiner Bruder kam und der so lange vereinsamte Vater wieder warm wurde und auflebte, da sah Hermann das mit tiefster Bitterkeit und dachte nie daran, daß seine Verschlossenheit und Kälte es war, die zwischen ihnen stand. Wenn die glückliche junge Frau ihr Kindchen herzte in denselben Räumen, wo sein inneres Auge noch deutlich das Bild seiner seligen Mutter sah, dann war es ihm, als hätte diese die andere verdrängt. Ich war in jener Zeit einmal zum Besuch dort, und es war ein Jammer, zu sehen, wie vergeblich sie sich bemühte, ihm näher zu kommen. Der Junge war rein wie verrannt.«
»Ist es denn immer noch dasselbe?«
»Ja, so wie sie jetzt leben, kann es kaum anders werden. Sie sehen sich ja nie im rechten Licht. Durch alles künstlich gesäte Mißtrauen sind sie unsicher, geschroben, unnatürlich gegeneinander geworden. Man möchte dazwischen schlagen,« sagte er heftig aufstehend, »wenn Menschen, die es so schön haben könnten, sich ein so schweres Leben schaffen! Das tun wir wenigstens nicht, was meinst du, Schatz?« Mit einem kräftigen Kuß verabschiedete er sich von seiner Frau.
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Trotz aller Vorfreude war es dann doch ein beklommenes Gefühl für die jungen Gemüter, als sich an dem Festtag die weiten, strahlenden Hallen des Buchdorfer Schlosses vor ihnen auftaten. Käte suchte schüchtern sich hinter Hannis Rücken zu bergen; ihre muntere Getrostheit drohte sie ganz im Stich zu lassen. Aber die Wirte kamen in so freundlicher Weise allen entgegen, und die Pracht und Schönheit der einzelnen Räume, der üppigen Pflanzengruppen, die hinter weitgeöffneten Glastüren verlockend auftauchenden Gartenanlagen waren so entzückend und fesselnd, daß bald jede Befangenheit überwunden war und alles sich in buntem Durcheinander des schönen Tages freute. Die Jugend machte sich im Garten miteinander bekannt. Die Rantzauschen Töchter waren höchlich interessiert für alles, was Käte aus Berlin erzählen konnte. Die Kadetten berichteten wichtig und unter lebhaftem Beifall Geschichten aus ihrem Leben, und bald war die Essenszeit herangekommen.
»O, wir sollen ja selbst die Damen zu Tisch engagieren!« rief der Parchimer Primaner. »Da heißt es, rechtzeitig sein Schäfchen ins Trockene bringen!« Damit stürzte er sich mit großem Eifer auf Hanni, ihr den Arm zu bieten, während ihnen seine Cousine naserümpfend nachrief: »Hanni, du kannst stolz sein, ins Trockene gebracht zu werden!«
»Empörend! Gertrud, du weißt, daß ein Vergleich nicht immer in jeder Beziehung zu stimmen braucht!«
»Nein, Felix, aber deine hinken immer auf beiden Seiten! Na, laß man, bist doch ein guter Kerl,« meinte der Kadett, indem er Kätes Arm ergriff. Die beiden folgten dem anderen Paare in so munterem Gespräch, als wären sie alte Bekannte.
»Aber halt, Karl, das gibt es nicht! Deine eigene Cousine aufzufordern, mit der du jeden Tag zusammen sein kannst. Da möchte ich doch bitten!« Damit versuchte Erich Rantzau seinem Freunde Karl, der im Pfarrhaus als Feriengast lebte, Klärchen Löber streitig zu machen. Aber damit hatte er kein Glück.
»Bitte, lieber Erich, wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Wenn wir auch zu Hause zusammen sein können – dort gibt’s doch immer sehr viel Störung. Gerade hierauf hatten wir uns schon lange gefreut. Mach du nur, daß du überhaupt noch eine Dame kriegst!«