»Ach, einstweilen finde ich es hier noch viel hübscher. Gerade von fern klingt die Musik so süß! Wir wollen noch einmal dort am See entlang gehen, wo der Mond so wunderbar glitzert, nicht wahr?« sagte sie, Hermann freundlich zunickend.
Der verdutzte Felix, der ihr schon bei Tisch gar zu übereifrig gewesen war, wendete sich enttäuscht dem Hause zu, um sich eine andere Tänzerin zu suchen.
»Sie dürfen wohl nicht tanzen?« meinte Hermann. »Nicht wahr, fromme Leute halten das für eine Sünde?«
»Eine Sünde? Nein, wirklich nicht! Ich bitte Sie, Musik ist doch keine Sünde – und Herumspringen doch wahrhaftig nicht! Ebensogut könnte man ja sagen, Max und Moritz müßten den ganzen Tag still sitzen, weil es eine Sünde sei, fröhlich zu spielen!«
Beide mußten lachen; sie in Gedanken an Max und Moritz und er über ihr lustiges Gesicht.
»Aber viele sehr fromme Leute nennen es doch Sünde,« beharrte der Student.
»Nein, Mutti sagt, so lange ich auch mitten bei aller Freude an Gott denken könne und jederzeit gern bereit wäre, aufzuhören, um etwas Nötiges zu besorgen oder jemandem zu helfen, solange wäre sicher nichts Verkehrtes dabei. Und gern mag ich es schon. Ebenso wie Wandern, Schlittschuhlaufen, Schwimmen, Lesen – ja manchmal auch noch Puppenspielen!«
Hermann sah sie sehr ernst und erstaunt an. Wie hatte er sich geärgert, den Abend mit all den »Gänschen und Zierpuppen«, wie er sie nannte, verleben zu müssen. Und wie ganz anders war Hanni, als er sich so junge Mädchen gedacht. Fast war sie noch ein Kind – sie liebte ihre Puppen – und doch konnte man mit ihr sprechen wie mit einem verständigen Freunde.
»Sie sind wohl viel mit Ihrer Mutter zusammen, weil Ihnen immer gleich einfällt, was sie sagt?« fragte Hermann, nachdem sie ein Weilchen still den leisen Wellen des Sees zugesehen hatten.
»O ja, sehr viel. Da fehlen mir auch meine Freundinnen gar nicht so sehr, die ich in Berlin gelassen habe. Am schönsten ist es jetzt, wo ich beides habe: Mutti jeden Tag und meine beste Freundin in den Ferien. Die ist auch so zu Hause bei uns, als wenn sie uns mit gehörte.«