»Früher hatte ich auch eine Mutter,« hub Hermann wieder an. »Da war alles anders; aber das ist sehr lange her.«
»O,« rief Hanni leise, und ihre blauen Augen bekamen ein ganz schwarzes Aussehen vor zurückgehaltener Bewegung, »das wußte ich nicht, sonst hätte ich nicht gerade immerzu von meiner Mutter erzählt. Es tut mir wirklich leid.«
»Kind, was sollte Ihnen denn leid tun? Glauben Sie, daß, wenn man selber unglücklich ist, das Glück anderer einen nicht freut? Gerade! Es hat mir ordentlich das Herz warm gemacht, zu sehen, daß Sie das besitzen und genießen, was ich so schmerzlich entbehre, weil ich es auch gekannt. Sie können glauben, die einzige weiche Stelle in meinem verhärteten Herzen ist diese Erinnerung.«
»Nein, das glaube ich nicht, das ist nicht wahr!«
»Wie können Sie das behaupten, da Sie mich doch gar nicht kennen?«
»Ich sehe Sie doch! Ich kann doch behaupten, daß dieser Tannenzweig grün ist, nicht wahr? Wenn ich ihn auch eben zum erstenmal sehe.«
Hermann sah sie betroffen an. Aber jetzt wurden neben ihnen Stimmen laut, und es war an der Zeit, mit den übrigen ins Haus zu gehen.
»Mäuschen, du siehst ja ganz blaß aus von dem feuchten Nebel draußen,« sagte Tante Ida, die den Tanzenden zusah.
»O wirklich? Sie haben sich doch nicht erkältet?« forschte Hermann besorgt.
»Unsinn, hier drinnen wird man ja gleich wieder warm. Also Sie mögen ganz gern tanzen? Wie nett! Ich hatte erst verstanden, Sie liebten es nicht. O, da wollen wir es versuchen, nicht wahr? Es ist gerade ein Walzer!« Damit flogen die beiden davon.