Nun gab es viel zu schaffen im Pfarrhause wie bei Gerloffs, und zur festgesetzten Stunde nahten zwei stattliche Karawanen dem schattigen Buchenhang, der sanft zum grünen Seeufer abfiel. Schon von fern gewahrten Hanni und Käte mit großem Vergnügen, wie Karl Löber mit Hilfe des alten Knechts einen schweren Korb herbeischleppte. Klärchen hatte einen dickgepackten Rucksack auf dem Rücken und die beiden Quartaner kleinere. Aber was bedeutete der unförmliche Buckel, den Karl trug? Jetzt fiel der Sonnenschein auf das Ungetüm und es blitzte und funkelte wie Feuer – unheimlich! Beim Näherkommen bemerkten sie höchlichst ergötzt, daß es Frau Pastors größter Kupferkessel war, an den die übermütigen Jungen wie an einen Schild schlugen.

Das gab ein Begrüßen und Fragen an der Feuerstelle. Die Jungen schossen Purzelbäume vor Glück und die kleineren Mädchen rollten ausgelassen den Abhang hinunter, während die großen mit leiser Sehnsucht zusahen. Gern hätten sie es auch getan, aber neulich bei Rantzaus waren sie schon »gnädiges Fräulein« genannt. Da schickte es sich doch wohl nicht mehr, obgleich es Käte viel mehr am »Kullern« und im Heu spielen lag, als am »gnädigen Fräulein«.

Bald war der Kessel an ein paar feste grüne Stangen, denen die Flammen nicht leicht etwas anhaben konnten, aufgehängt, und alles suchte im Gebüsch herum nach trockenen Reisern und Tannenzapfen.

»Sieh doch nur, wie der Ernst eifrig ist,« meinte Frau Gerloff, »er faßt alles so behende und praktisch an und ruht nicht, bis die Arbeit fertig ist. Ein liebes, feines Kerlchen!«

»Ja, und so prachtvoll gesund und vergnügt sieht er jetzt aus. Ich kann dir gar nicht sagen, wie dankbar ich euch für diese Zeit bin – am allermeisten für Ernst.«

»Davon mußt du gar nicht sprechen, liebes Herz. Sieh, wir alle genießen solch Zusammensein mindestens ebenso sehr wie ihr. Eure Mitfreude läßt uns täglich aufs neue empfinden, wie gut wir es haben!«

Schon loderten die Flammen hoch empor um den summenden Kessel. Und als jetzt auch Rantzaus anlangten, war der herrlich duftende Kaffee bereits fertig, und die jungen Mädchen trugen ihn herbei, während Frau Pastorin wahre Berge von Kuchen auftürmte. Die jungen Herren wollten auch das Ihre tun und machten bequeme Sitze von Moos und trockenem Laub auf Baumstümpfen, die sie kunstfertig mit Mänteln und Tüchern bedeckten.

»So schön wie Frau Pastors Kirschkuchen schmeckt doch gar kein anderer,« beteuerte Herr von Rantzau. Derselben Meinung schienen auch die übrigen zu sein, denn unter Lachen und Scherzen verschwanden die Vorräte mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Dann wurde das Feuer gelöscht, so sehr es sich auch zischend und prasselnd gegen die Wassergüsse wehrte. Immer von neuem schickte es züngelnde Flämmchen durch das trockene Gras und Moos entlang, die die kleinen Jungen mit glühendem Interesse verfolgten, während die Großen es nicht unter ihrer Würde hielten, »Plumpsack« und »Blindekuh« mitzuspielen. Die allgemeine Fröhlichkeit wirkte so ansteckend, daß die behaglich zusehenden Mütter meinten, Hermann täten die Ferien doch sichtlich gut, er bekäme ein ganz anderes Aussehen.

Großer Jubel erhob sich, als gegen Abend Tante Ida im Ponywagen angefahren kam. So ein ganzer Nachmittag im Freien war ihr zu anstrengend. Jetzt kam sie und brachte alles mit, was man sich für ein schönes Abendbrot im Walde wünschen kann. Sie empfahl ihren Gästen, recht zuvorkommend zu sein, denn jeden, der nicht ganz nach ihrem Sinn sei, würde sie unerbittlich durch schmale Rationen strafen. Die eifrigen Jünglinge ließen sich das nicht zweimal sagen. Sie hoben den leichten Sitz vom Wagen, stellten ihn als Thron für die Tante hin und spannten ein schottisches Plaid als Baldachin darüber.

»Ihr seid gar nicht so dumm,« meinte sie. Und die jungen Leute bekräftigten das aufs lebhafteste.