Am anderen Morgen, als Frau Pastorin um sechs Uhr das Fenster öffnete, wollte sie ihren Augen nicht trauen: mit einer Schiebkarre schaffte Karl, der sonst für Gartenarbeit nicht die geringste Liebe verriet, Unkraut und Schutt beiseite. Sie hatte gestern gesagt, die Gemüsebeete müßten reingemacht werden. Nun war der rührende Junge schon dabei!

Ein wenig lachen mußte sie aber, als beim Kaffee von der geplanten Zusammenkunft berichtet wurde und Karl eifrig meinte: »Tantchen, Kläre darf doch auch mit? Sie sagte, es sei so viel für sie im Garten zu tun. Aber das könnte ich ja immer frühmorgens machen, wenn du mir Bescheid sagst. In der Küche wollte sie heute auch tüchtig helfen. Bohnen schnitzen können wir übrigens alle!«

»Das ist ja ausgezeichnet; es soll gerade heute vor sich gehen. Wir wollen sehen, wieweit ihr kommt. Werdet ihr rechtzeitig fertig, so kann Klärchen gern mitgehen!«

Eifriger ist nie im Pfarrhaus geschnitzelt worden, als an diesem Tage. Karl verstand es großartig, Geschichten und Späße zu erzählen, die sogar die beiden Quartaner bei der Arbeit festhielten; denn ließen sie einmal die Hände sinken, so hörte er auf, bis sie wieder fleißig waren. Zur rechten Zeit wurden die Bohnen fertig, das Vesperbrot eingepackt, und mit einem herzlichen »Auf Wiedersehen« ging’s hinaus in den grünen Wald.

Ebenso bereitwillig war in Buchdorf und Schönfelde die Erlaubnis gegeben. Die einen wie die anderen kannten ihre Kinder zu gut, als daß sie ihnen das harmlose Vergnügen nicht gern gegönnt hätten, ohne die leiseste Befürchtung, irgend jemand möchte die Fröhlichkeit übertreiben. Dazu neigte keiner aus dem Kreise. Und wenn Felix sich vor lauter Höflichkeit gegen die Damen »einige Verzierungen abbrechen wollte«, wie Erich sich spottend ausdrückte, so verleideten sie ihm das nach Kräften durch herzliches Auslachen und kräftige Neckereien.

Als Klärchen und Karl anlangten, saßen die übrigen schon im Kreise um die Feuerstelle; denn sie erklärten, es sei von jeher Sitte der Völker gewesen, sich um einen Feuerplatz zu versammeln. »Aber nun bei der Hitze, und wo es noch so brenzlig stinkt, finde ich es doch im Schatten bedeutend schöner,« murrte Käte laut, worauf mehrere der Kavaliere ihr eifrig zustimmten und den Schutz einer großen Buche aufsuchten.

Als jeder sein Plätzchen gefunden hatte, wurde das mitgebrachte Vesperbrot von Gertrud von Rantzau eingefordert. »In den Taschen wird es so trocken; wir legen alles auf dies weiße Tuch und decken es zu und zum Schluß wird es ohne Ansehen der Person gleichmäßig verteilt! Sonst kommen einige zu kurz,« sagte sie mit einem verschmitzten Blick auf Felix, der vorher auffallend lange im Obstgarten gewesen war und nun mit kleinlauter Miene ganze Berge von Birnen aus seinen Taschen entlud. Wenn er eine kleine Pause machte, so rief sie unbarmherzig: »Weiter, weiter, Vetterchen – am Ende sind wir noch lange nicht!« bis zuletzt schallendes Gelächter des ganzen Kreises jede neue Handvoll begleitete. »›Sieh mal, sieh, wat doch so’n Fell sick wieten kann!‹ würde der Schneider auch zu deinen Taschen sagen. Dies ist ja ganz fabelhaft!«

Die Mädchen nahmen dann ihre Arbeiten hervor und sahen erwartungsvoll auf ihre Begleiter.

»Wer fängt an?«

»Dem Alter die Ehre. Hermann ist der Würdigste!«