Gegen Mittag hellten sich verschiedene Gesichter etwas auf, der Himmel aber durchaus nicht. Es gab ein Getuschel und Kichern zwischen den Knechten, die zum Essen kamen, und den Mädchen, die die schweren Zinnschüsseln und Bierkrüge in die Leutestube trugen. Dann ging es bis an Mamsell. Endlich ein Klopfen an des Inspektors Tür, und auf sein »Herein« schoben sich die beiden kühnsten von den Mädchen ins Zimmer. Sie meinten bloß – und die anderen hätten es auch gemeint –, ob man das Wetter nicht wegtanzen müsse?

»Unsinn,« erwiderte Herr Schulz mit angenommener Barschheit, »es klärt sich ja schon auf!«

Lautes Kichern der Mädchen. »Das ist wohl aufklären?« Klatschend schlug der Regen gegen die Scheiben.

»Na, dann müssen wir wohl mal sehen.«

Wie der Wind waren sie die Treppe herunter, und aus der Küche hörte man unterdrücktes Juchzen. Bald verbreitete sich durchs ganze Haus die Nachricht: »Herr Schulz meinte es auch, und der Herr hätte es erlaubt, daß das Wetter weggetanzt würde.«

Niemand brauchte mehr zur Eile ermahnt zu werden. Die Röcke flogen um die Ecken; heiße Bolzen mußten her, um noch schnell weiße Schürzen zu plätten. Der Gärtner brachte triefende Tannenzweige und Körbe voll leuchtender Georginen herbei, und die Knechte hatten es eilig, den noch leeren Kornboden damit festlich zu schmücken.

Hanni und Käte sahen wieder und wieder aus dem Fenster; wie wurde es heute nachmittag? Bei dem Wetter war ja an keine Zusammenkunft im Walde zu denken. – Da rief der Vater von unten: »Mädels, seid ihr in eurem Zimmer? Kommt doch mal! – O liebe Zeit, wie lassen wir die Ohren hängen! So ein Jammer! Nun mache ich euch einen Vorschlag: die Leute meinen ja, heute sei Wetter zum Tanzen. Da muß Hinrich um zwei Uhr weg, die Musikanten zu holen. Was meint ihr, wenn er den Umweg über Buchdorf machte, zu fragen, ob das junge Volk auch dazu kommen will? Und dann könnte er ja bei Pastors anfahren und Bescheid sagen, daß Klara und die Jungen sich bereit halten möchten, damit er auch sie abholen könnte, sobald die Musikanten da sind. Für heute abend wär’s am besten, die Löbers-Kinder richteten sich aufs Hierbleiben ein, denn sonst würde der doppelte Weg für die Pferde reichlich viel. Ist’s so recht?«

Stürmische Umarmungen zeigten dem liebevollen Vater, daß er, wie immer, die Wünsche der Kinder schon vorweg erraten und erfüllt hatte.

Als mit markerschütterndem Blasen die sehnlichst erwartete Kapelle auf den Hof gefahren kam, standen viele Türen und Fenster offen, und viele Herzen klopften erwartungsvoller als bei Eröffnung des feierlichsten Hofballes.

Aber es tanzte sich auch wirklich gut auf den sauberen, durch das im Winter dort aufgeschüttete Getreide glatt und blank gewordenen Dielen des Kornbodens. Nur wer solche ländlichen Feste mit unbefangenem Jugendfrohsinn miterlebt hat, kann den eigenen Zauber verstehen, den der Tannenduft, die flackernden Kerzen, die durchdringenden Instrumente, das ungezwungen fröhliche Durcheinander ausüben.