Allein schon die Sitze! In der Mitte der Längsseite, wie die fürstliche Loge, zwei weißlackierte Gartenbänke, auf denen die hohen und allerhöchsten Herrschaften zu kurzem Zusehen Platz nahmen. Weiterhin über festgestopfte Kornsäcke gelegte schwanke Bretter, die vom Tanz ausruhenden Schönen zum Sitzen einladend, und auf denen zu den Klängen der Musik leise zu schaukeln für die jüngste Jugend allein schon ein Gaudium ist.

Hier sind die Jüngsten durchaus nicht von der Feier ausgeschlossen; und gerade das übt einen besonderen Reiz, daß bei solcher Gelegenheit die junge Tagelöhnerfrau mit Stolz ihre ganze kleine Nachkommenschaft vorführen und sie der gleich alten Tochter der Herrschaft, die zum Besuch ist, zum Vergleich mit ihren kleinen Stadtkindern vorstellen kann. Es bietet sich Gelegenheit, einander mit allem, was zusammengehört, zu sehen und kennen zu lernen, wie es in der Stadt kaum möglich ist.

Hanni und Käte, die das alles zum erstenmal erlebten, waren anfangs ein bißchen befangen. Denn die Formen der Fröhlichkeit sind bei diesen Leuten beträchtlich anders als all das, was sie bisher kannten. Aber Rantzaus und Klärchen, die jedes Jahr diese Feste mitfeierten, bewegten sich völlig harmlos und fanden gar nichts dabei, daß die stattlicheren unter den Tänzern mit ihren steifen, sonderbaren Verbeugungen auch zu ihnen kamen. Die Sache wurde ja mit aller nötigen Vorsicht betrieben: die Hausmädchen beeinflußten ihre Kavaliere dahin, daß nur die wirklich geübten sich den Fräuleins nahten. Dann wurde auch jeder, der es tat, verpflichtet, die zarten Kleider der Damen dadurch zu respektieren, daß er seine Hand mit dem rotbunten Taschentuch verhüllte; eine Sitte, über die Käte sich vor Lachen schüttelte.

»Tante Ida,« sagte Klärchen, und setzte sich ein wenig zu der allgemein Verehrten, um auszuruhen, »du solltest bloß versuchen, wie wunderbar glatt es sich hier tanzt; wie auf dem schönsten Parkett!«

»Ja, das glaube ich schon! Wäre gerade das Richtige für mein lahmes Bein! Bin eben, beim Hereinkommen, schon beinahe ausgerutscht! Aber wenigstens weiß ich nun doch, wo auf einmal alle Schlafstubenkerzen hingekommen sind, die gewiß noch eine halbe Woche brennen konnten! Diese windige Berliner Lisbeth hat den anderen beigebracht, daß man die Lichter zerschaben und auf den Fußboden streuen muß, damit er spiegelblank wird! So ein Unfug!«

Hermann Schack erzählte Hanni, wie in München solche Volksfeste gefeiert würden; er konnte sich nicht genug wundern über die Ruhe und Ordnung, in der hier alles vor sich ging.

»Etwas tut natürlich auch die Nähe der Herrschaft,« meinte Hanni; »unsere Stubenmädchen baten erst dringend, wir möchten doch recht spät bleiben, denn so lange wären sie vor jedem Lärm und Streit sicher.«

»O, das wollen wir schon machen,« entgegnete Hermann. »Es tanzt sich wirklich fein hier!«

»Ich glaube,« meinte Hanni kindlich, »wir passen so gut von Größe zusammen, daher geht es mit Ihnen so viel besser, als mit Erich oder Felix!«

»Das wird’s wohl sein,« war seine vergnügte Antwort. »Vielleicht kommt’s auch daher, weil wir überhaupt zueinander passen!«