Der Brummbaß war so laut, daß man ihre Antwort, wenn sie eine gab, nicht verstehen konnte.
Käte kam herbei und wollte sich totlachen vor Spaß über die ehrbaren Gesichter, mit denen die Leute tanzten: »Ernsthaft wie die Tiere – als wenn sie die schwerste Arbeit verrichteten!«
»Sieh bloß,« rief Erich, »wie Felix die Rockschöße fliegen! Die dicke Rademacherfrau will ihm die Polka beibringen. Sie läßt sich wahrhaftig nicht aus dem Takt bringen durch seine Sprünge – es sieht ja unglaublich aus!«
Wieder und wieder machte man die Runde. Die stark ins Ohr fallenden Weisen der kreischenden Instrumente, die ganz ungewohnte Umgebung, der unsichere, flackernde Kerzenschein, das Vorgefühl der Trennung – alles zusammen versetzte Hanni in eine unklare, schwankende Stimmung; und als Hermann wieder um einen Walzer bat, erwiderte sie zögernd: »Bitte, lieber nicht mehr! Wissen Sie noch, was ich Ihnen neulich über Muttis Meinung sagte: es sei nichts Verkehrtes dabei, solange ich jederzeit gern bereit wäre, aufzuhören! – Denken Sie, eben tat es mir beinahe weh, daß es nun bald zu Ende geht. Dann sollte ich doch lieber nicht mehr tanzen!«
»Gerade jetzt, wo es so wunderbar geht?« fragte er dringend.
Sie sah ihn hilfesuchend an: »Sie würden mich doch sicher nicht um etwas bitten, was nicht recht ist!«
»Nein, ganz gewiß, niemals!« sagte er und setzte sich wieder.
»Furchtbar müde bin ich auch schon,« fuhr Hanni fort; und er sah erschrocken, wie blaß ihr Gesicht geworden. »Das kommt auch mit vom Kummer. Denken Sie, wie allein ich sein werde, wenn morgen Käte und die süßen Jungen wegreisen. – Sie müssen sicher nicht meinen, ich sei undankbar. Gewiß, ich habe Mutti und Tante Ida – ach und so vieles –, aber Abschied ist doch etwas ganz Fürchterliches. Es würgt mich dann so da,« sie drückte die Hand aufs Herz, »daß es kaum auszuhalten ist.«
Hätte er doch irgend etwas zu ihrem Trost sagen können. Aber Trost kannte er ja selber nie; es hieß immer nur »durch«. »Wenn Sie doch einen Bruder oder eine Schwester hätten!«
Aber damit berührte er nun sehr gegen seine Absicht eine ganz wunde Seite. »Mein Bruder ist ja tot, er war etwa von Ihrem Alter,« flüsterte sie leise, und konnte nun trotz aller Anstrengung kaum länger die Tränen unterdrücken. Es war ein Glück, daß gerade Lisbeth kam, um zu melden: »Der Buchdorfer Wagen ist vorgefahren, und die jungen Herrschaften möchten gleich kommen, um sich abzukühlen!«