Deine traurige Hanni.«

11. Kapitel.
Die Schatten des Todes.

»Schönfelde, den 20. August.

Liebste Käte! Durch Muttis Brief an Deine Mutter hast Du ja erfahren, daß unsere geliebte Oda nicht mehr weggekommen ist. Ihr einziger Wunsch wurde erfüllt.

Als die Ärzte wiederkamen, fanden sie die Krankheit so fortgeschritten, daß sie auf die Frage des Vaters, ob Hoffnung sei oder nicht, sagen mußten: Nach Menschenermessen sei keine. – Dann hat er gefragt, ob im Süden auf Erleichterung zu hoffen sei, worauf beide gemeint, die Mühsal der Reise würde größer sein als das, was man an Erleichterung hoffen dürfe. Was Menschen vermöchten, ihre Tage zu verschönen, könne sicher hier am besten geschehen. Sie glaubten auch nicht, daß ihr noch schwere Leiden bevorständen. Sie sei bereits so schwach, daß das Leben verlöschen würde wie ein Licht.

Der arme, arme Onkel! Er hat dem alten, würdigen Professor gedankt für die große Barmherzigkeit, ihm die volle Wahrheit zu sagen.

Nun gehen sie alle still und wie unter einer dicken Wolke umher. Nur bei Oda strahlt heller Sonnenschein – vom Jenseits – und sie alle haben soviel Liebe, den nicht durch Wehklagen zu stören. Am schwersten fällt das der armen Gertrud, die ganz das Gleichgewicht verloren hat. Manchen Tag darf sie nicht zu Oda hinein, weil sie sich nicht fassen kann. Ich bin so dankbar, daß sie mich immer zu ihr lassen – jeden zweiten Tag. Und Gott hilft mir auch, immer munter zu sein, so schwer es oft ist. Ade, Käte. Deine Hanni.«

»Schönfelde, den 15. September.