Hanni und Klara beriefen sich übermütig darauf, daß ihre beiden sechzehn Jahre zusammen gar nicht so weit zurückblieben hinter dem Alter der Mutter.
Aber trotzdem erklärte diese, ihre Hauptzuversicht setze sie auf die verständige Sophie, die nun schon viele Jahre treu für Küche und Haus gesorgt hatte. »Nicht wahr, ihr versprecht mir, alle häuslichen Dinge mit ihr zu bereden. Sie weiß genau, wie wir es immer gemacht haben und wird dafür sorgen, daß nichts verdirbt. Aber ordentlich helfen müßt ihr, sonst ist sie tot, wenn ich heimkomme, nicht wahr? Ich denke, jeder besorgt sein Gebiet gewissenhaft: Klara das Baby und die Ordnung in den Schlafzimmern, Hanni, wenn sie wirklich auch große Tochter sein will, das An- und Ausziehen der kleinen Mädchen und das Ordnen der unteren Zimmer. Und bei den Staatsaktionen, wie Einmachen, Waschen und Plätten helft ihr, soviel ihr könnt. Soll es so sein?«
Mit Feuereifer übernahm jede ihr Amt, und alles ging zur größten Zufriedenheit des arglosen, sanguinischen Hausvaters.
Entzückte Briefe kamen aus dem Harz. Frau Gerloff war aufs freudigste überrascht gewesen über den lieben Besuch. Es hatte sich getroffen, daß ein Zimmer neben dem ihrigen frei war mit Ausgang auf denselben Balkon. Nun hielten die beiden Damen ihre Ruhestunden in fröhlicher Gemeinschaft und hatten sich viel zu erzählen von der Heimat und ihren Lieben. Beglückend war’s für Frau Gerloff, das Entzücken zu beobachten, mit dem die Freundin die völlige, so ungewohnte Freiheit genoß. Seit vielen Jahren hatten die Pflichten bei den kleinen Kindern und der stets wachsende Haushalt dergleichen unmöglich gemacht. Nun kam sie sich wie verzaubert vor in der wundervollen Umgebung, wo alles für ihre Bequemlichkeit und ihr Behagen eingerichtet war. Überraschend schnell gewannen ihre Backen wieder die alte Rundung und Frische, und als einige Tage vor Ablauf der Erholungszeit der Pastor eintraf, um noch eine kleine Fußwanderung mit seiner Frau zu machen, bevor sie heimkehrten, da war er ganz außer sich vor Freude über ihr frisches Aussehen und behauptete, sie sei nicht im geringsten verändert gegen damals, als sie vor siebzehn Jahren dieselben Wege auf ihrer Hochzeitsreise machten.
Hanni hatte viel erlebt in diesen Ferienwochen und schüttete ihr Herz ab und an gegen die treue Freundin aus.
»Mirow, den 6. Juli.
Liebste Käte! Es ist zu hübsch, auf einmal ›große Leute‹ zu spielen und den ganzen Tag ohne Schule und andere Aufhaltung im Hause herumzuwirken! Du solltest bloß sehen, wie fein ich meine drei Kinder im Zug habe! Dann wird Staub gewischt, sogar hier und da abgerissene Knöpfe und Bänder angenäht. Herr Pastor hat sich sehr zufrieden geäußert über den Gang der Wirtschaft.
Die allerliebste Stunde ist mir, wenn am Abend unsere dicke Milch und Zubehör erledigt ist und wir alle miteinander in der Weinlaube sitzen. Ich nehme Dickchen auf den Schoß und Klara das Baby. Beide kriegen eine Brotrinde in die Hand und tun uns den Gefallen, so lange ruhig zu sein, wie Herr Pastor den Abendsegen liest. Wenn wir dann zweistimmig ein Lied singen, hören sie beglückt zu und verstärken den Chor mit ihren Krähtönen.
Es ist ein schönes, tätiges Leben von früh bis spät. – Und Ihr watet dort wohl am Strande herum? Schreib doch bald, wie’s Euch geht. Deine Hanni.«
»Mirow, den 17. Juli.