Denn das sei freilich meine Pflicht gegen mich selbst, nicht in dumpfem Verzicht nun alles Weiterstreben aufzugeben. Ja, ich würde mich versündigen gegen mich und die Eltern, wenn ich es täte.

Wir haben abgemacht, daß ich jeden Monat einmal Sonntagnachmittags zum Tee in sein Haus komme. Dann hat er Zeit für die Freunde, die sich einfinden, und ich soll ihn fragen, wenn ich in diesem oder jenem nicht weiter weiß.

Ich kann Dir nicht sagen, was mir diese Aussicht für ein Trost ist. – Jeden Morgen stehe ich nun mit den besten und festesten Vorsätzen auf. Wie leicht die aber erlahmen bei den tausend kleinen Enttäuschungen, dem Anrennen an unnötige Vorurteile, das kannst Du Dir nur sehr schwer vorstellen. Wie gern ginge man mutig in eine Schlacht oder an eine Herkulesarbeit – das Ameisenwerk will oft unerträglich erscheinen.

›Aber gerade das Kleinste treu zu verrichten und im engsten Kreise Sonnenschein zu verbreiten, sei unsere Pflicht und unser Los,‹ sagt mein Lehrer. Und so will ich zufrieden sein, wenn mein heutiger Erfolg kein größerer war als der, das müde, bekümmerte Gesicht unserer Berta, des Stubenmädchens, zu erhellen. Ich muß Dich nächstens etwas ihretwegen fragen, will aber erst mit Käte darüber sprechen.

Für heute leb wohl und sage Deiner verehrten Mama meine Grüße, und ich bedauerte Dich jetzt nicht mehr, aufs Land gekommen zu sein, – habe überhaupt meine Meinungen sehr geändert. Ich glaube, das wird sie sehr freuen. Deine Ilse.«

Endlich schrieb auch Lena Wallis:

»Berlin, den 24. März.

Liebe Hanni! Verzeihe, daß ich in allem Trubel der letzten Tage bisher noch nicht dazu gekommen bin, Dir für Deine süße Glückwunschkarte zu danken. Denk mal, fünfundsiebzig Karten bekam ich im ganzen, teils geradezu entzückende! Und dann all die Gratulationsbesuche, die wertvollen Geschenke! Man geht wie auf Wolken! Es war überhaupt eine himmlische Zeit, diese ganzen letzten Wochen. Mama war rührend: Jeglichen Gefallen tat sie mir, und wenn Papa etwas von mir verlangte, so sagte sie öfters: ›Störe sie doch jetzt nicht; einmal träumt man nur den Jugendtraum. Die rauhe Wirklichkeit kommt noch früh genug.‹

Für unseren Pastor schwärmten wir sämtlich. Augen, sage ich Dir, wie ein Heiliger. Man wagte kaum zu atmen, wenn er so feierlich sprach. Wir haben ihm eine entzückende Palme geschenkt. Ich allein steuerte fünf Mark dazu bei.

Am Konfirmationstage kam Mama schon zeitig mit all den schönen Sachen in mein Zimmer, was übrigens auch die Woche vorher vollständig neu hergestellt war – ganz in Himmelblau. Nun das entzückende Seidenkleid, tadellos sitzend, alles von oben bis unten neu; es war wirklich feierlich. Als man dann in der Kirche war: Die vielen Blumen, die beweglichen Klänge der Orgel, die ganze Weihe des Augenblicks, da drehte sich alles mit mir im Kreise, und ich war buchstäblich schwindelig vor Feierlichkeit.