»Sie sind nach Partenkirchen und wollten zum Essen zurück sein!«

»Das können sie ja gar nicht; durch die Klamm gehen sie nicht, weil Schwester Dorothee schwindlig ist, und auf dem oberen Weg soll kein Menschenkind mehr sichtbar sein, wie Klaus sagt, der eben mit den Eseln heimkommt.«

»Gewiß haben sie sich wieder, wie gewöhnlich, in der Zeit verrechnet und kommen jetzt, wo es dunkelt, in die größte Gefahr!«

»Und nun fängt es noch gar an zu regnen!«

»Wir gehen schon mit Laternen,« sagte der stille, junge Pastor, der am Ende der Tafel saß. Sein Begleiter, ein lustiger Student der Medizin, warf einen schmerzlich verzichtenden Blick auf die verführerisch duftenden Kaiserschmarren, die eben hereingetragen wurden. Er war so hungrig und müde nach dem langen Marsch am Nachmittag. Was hatten diese beiden guten Wesen auch immer weiter zu laufen, als sie eigentlich konnten! Wenn sich’s noch wenigstens um die hübschen jungen Mädels handelte!

Aber da gab’s kein Zögern. »Jeder für jeden!« galt es hier im Hause. Und das erfuhr auch er, als nach langem Suchen und vielem Lamento die beiden verirrten Schäflein spät am Abend eingeheimst wurden. Hilfsbereite Hände halfen die armen Übermüdeten aus ihren durchnäßten Sachen schälen. Heißer Tee war bereitgehalten, und die rührende Köchin buk sogar noch frische Schmarren; »denn es täte ihr doch zu leid, wenn gerade der nette, gefällige Herr Student sein Leibgericht abgestanden bekommen sollte!«

18. Kapitel.
Allerhand Bekanntschaften und Tante Luciens Nöte.

Eine anziehende, jüngere Frau war Hanni schon mehrmals aufgefallen, aber ihren Namen hatte sie nicht deutlich verstanden, und da die Fremde mit ihrem munteren, kraushaarigen Jungen am anderen Ende der Tafel saß und an den gemeinsamen Ausflügen bisher nicht teilnahm, so waren ihre Wege sich nicht begegnet.