»Nun, das scheint mir doch nicht so schwierig? Käte leiht Herrn von Alten sicher ihren Rucksack. Könnten Sie denn nicht Wäsche und Schuhzeug dahinein packen, und wenn Sie oben sehen, was Sie sonst noch brauchen, dann könnten Sie wieder hergehen und sich das Nötige nachholen?«
Der Angeredete glaubte nicht recht zu hören. Wie interessant hatte er sich das Wiedersehen vorgestellt, als seine Tante ihm mitteilte, wen man in der Sommerfrische treffen würde!
Ja, die gute Dame hatte sogar einfließen lassen, was für eine ausgezeichnete Partie die einzige Tochter des tüchtigen Gutsbesitzers sein würde, und Felix hatte schmunzelnd bemerkt, daß sie wohl ihre stillen Absichten dabei hege, wenn sie das große Opfer brachte, ihren verwöhnten Liebling zu dieser Reise einzuladen.
Trotzdem er als Korpsstudent reichliche Gelegenheit gehabt und benutzt hatte, mit eleganten jungen Damen zu verkehren, so war ihm doch der feine, blonde Mädchenkopf von vor zwei Jahren sehr lebhaft wieder in die Erinnerung gekommen, und er hatte sich mit großem Vergnügen ausgemalt, wie erstaunt und verwirrt die Kleine zu ihm aufsehen und wie sie erröten würde, wenn statt des früher vielleicht etwas linkischen Primaners der elegante Korpsier vor ihr stände.
Ganz anders die Wirklichkeit. Von Erröten keine Spur, von Aufsehen noch weniger; denn Hannis schlanke Gestalt blieb wenig hinter seiner Größe zurück.
Statt dessen sprach sie mit vollendeter Kaltblütigkeit zu ihm von Wäsche und Schuhzeug, als wenn sie zu ihrem kleinen Bruder spräche oder zu einem dummen Schulbuben! Er war wütend. –
Und so einen Sack sollte er selber die Berge in die Höhe tragen? Niemals! –
»O, vielen Dank! Bin den Herrschaften aufs tiefste verbunden; möchte aber auf keinen Fall lästig fallen. Bitte sich doch gar nicht meinetwegen aufzuhalten, ich besorge meine Sachen schnell und werde ja sehr leicht die Herrschaften wieder einholen, wenn sie die Güte haben, eben voraufzugehen!«
»Nun, wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen!« murrte der Major. »Also wünsche gute Verrichtung – und dann in Gottes Namen vorwärts, ihr Lieben!«
Die besorgte Tante kam wenig dazu, den schönen Weg zu genießen; sie war aufs höchste bekümmert. »Was wird der arme Junge nur machen hier an dem wildfremden Ort! Und wie soll er uns bloß wiederfinden?«