»Will sehen, was sich machen läßt! – Und die jungen Damen müßten sich auf alle Fälle so etwas von Volkstracht verschaffen, nicht wahr?«

»Wir nicht auch?« fragte Felix eifrig.

»O,« meinte verschmitzt der junge Eisen, »vielleicht ist Herr von Alten so großmütig, sein Tirolerkostüm zur Verfügung zu stellen. Wenn wir drei oder vier jeder ein Stück davon bekommen, so ist reichlich genug Farbigkeit vorhanden, um volkstümlich zu wirken.«

Der etwas verblüffte Felix wußte nicht recht, ob er sich geschmeichelt oder geärgert fühlen sollte, zog aber gutmütig wie gewöhnlich das erstere vor und sah mit gespannter Erwartung der Entwicklung der Dinge entgegen.

Am Abend fanden sich die Verschworenen schon vor dem Tee im noch leeren Wohnzimmer ein. Neugierig wurden die Köpfe zusammengesteckt, um die Verse zu hören, und von allen Seiten zollte man stürmische Anerkennung. Besondere Freude erregte es bei den jungen Mädchen, daß auch Hermanns Brüderchen, der allgemeine Liebling, eine kleine Rolle bekam, und ebenso ein junges Mädchen, das erst neulich angekommen war und sich in zutraulicher Weise den anderen angeschlossen hatte. Sie wurde schnell gerufen und in das Geheimnis eingeweiht, und dann begann ein eifriges Abschreiben der Rollen.

»Herr von Alten,« meinte die übermütige Käte, »Sie haben es aber zu bequem! Diese paar Worte da sind nicht der Rede wert. Gerade Sie sind es schuldig, etwas extra zur Unterhaltung beizutragen. Vor dem kleinen Lied am Schluß wäre ein Schuhplattler ganz notwendig, und den kann niemand besser ausführen als Sie! Wenn Sie sich ordentlich Mühe geben, so können Sie es bis übermorgen noch lernen. Klaus weiß unten in Partenkirchen jemand, der es lehrt, da müßten Sie morgen früh hingehen. Herr Schack hat das ganze Gedicht gemacht, da ist dies das Wenigste, was Sie beisteuern müssen.«

Felix sah sehr erschrocken drein. Diese Mädchen stellten ja unerhörte Anforderungen an die Bereitwilligkeit ihrer Kavaliere! Da hatte man’s in München wahrlich bequemer. – Aber schließlich war Tanzen immerhin noch einfacher als Dichten.

Am anderen Morgen wurde der stets lebhaft unterhaltende Felix am Frühstückstisch vermißt. »Der blonde junge Herr? Der hatte früh vor meinem Fenster eine lange Verhandlung mit dem Eselsführer Klaus. Darauf sah ich ihn nach dem Ort zu wandern.«

Käte wurde rot und verbiß sich nur mit Mühe das Lachen. Als die beiden jungen Mädchen die Veranda verließen, flüsterte Hanni der Freundin zu: »Was hast du angerührt, Käte? Der Unglückswurm nimmt deinen Unsinn wahrhaftig ernst und quält sich nun da unten ab. Stell dir das bloß vor!«

Dies war für Kätes lebhaft arbeitende Phantasie zuviel: Sie mußte sich auf die Rasenkante setzen und lachte, bis ihr die Tränen aus den Augen stürzten. »Nein, so eine Dummheit! Aber wer ein Schaf ist, muß als Schaf geschoren werden! Bitte, stelle dir seine Sprünge beim Schuhplatteln vor!« Sie brach von neuem vor Lachen zusammen.