Dagegen wußte sie nichts zu sagen.

Sie saß und hatte die dick geschwollenen Füße auf einen hohen Schemel gelegt und mit Decken umhüllt, und war von Liebe umgeben. Sie wußten es wohl, daß das nicht mehr anders komme, bis — ja bis. Unser Leben währet siebenzig Jahre und wenn’s hoch kommt, achtzig Jahre. Fünfundsiebenzig war die Rektorin und ihr Gatte siebenundsiebzig. Das sprach von selbst. Nun kamen die geschwollenen Füße hinzu. Aber sie gingen wie bisher miteinander weiter, jedes nach seiner Art und wußten, daß sie zusammengehörten.

Es war nie mehr die Rede davon, daß Gertrud ein Examen machen sollte. Es ging alles fort wie bisher; nur daß die alte Frau weiter hinaussorgte, nicht für sich, für das Kind. Ihr Gatte tat das nicht. Es war früher umgekehrt gewesen; da hatte er in die Ferne gesehen, nun tat sie es.

„Ich könnte es dem lieben Gott überlassen,“ sagte sie, „aber Gertrud ist anders als andere Mädchen, das ist es, was mir Sorge macht.“

„Ach, du denkst: Diese Spezies ist dem lieben Gott noch nicht vorgekommen, da muß schon die Rektorin Cabisius eingreifen?“

Da sah sie zu ihm auf, mit demselben Blick wie in jungen Jahren, rasch aufflammend und ein wenig ärgerlich, und dann, wider Willen lächelnd, wenn die Augen einander begegneten, und dann immer stiller.

Er hatte ja Recht. Was konnte das Sorgen helfen? War nicht immer alles gut geworden? Da lehnten sie ihre grauen Köpfe aneinander und saßen still beisammen.

Gertrud focht die Zukunft noch nicht an. Sie war siebzehn Jahre alt, und das Leben fing erst an, ihr seine Weiten aufzuschließen. Es verstand sich von selbst, daß es schön wurde; es war aber auch jetzt schön. Reich war es. Sie erzählte ihrem Kameraden, Georg Ehrensperger, der in der Vakanz daheim war — er rüstete sich zur Hochschule — von allem, was dazu gehörte. Sie stand in der Küche; mitten in der Küche stand ein weißer tannener Tisch, darauf die große, steinerne Teigschüssel. Den Teig darin klopfte sie mit viel Kraft und in vielen Pausen. Die Pausen hingen mit der Unterhaltung zusammen.

Georg Ehrensperger saß auf der Wasserbank, links und rechts von ihm standen hölzerne Wassergölten.

„Du wirfst noch eine davon hinunter, du solltest dich anderswo unterbringen,“ sagte Gertrud.