Er war ihm am andern Tag nicht so ganz angenehm, denn nun mußte er das Klavier bezahlen, das in des alten Schullehrer Haldenwangs Auktion verkauft wurde; hundertundfünfzig Mark. Es wurde in die Wohnstube im ersten Stock gestellt, gerade über dem Laden. Und Jungfer Liese sagte zu den Kunden, wenn sie aufhorchend die Köpfe hoben: „Das ist unser Jüngster, der Student. Er will’s nicht besser haben. Da sitzt er und spielt, und oft genug ohne Noten, und das Essen schlägt nicht an bei ihm.“
So war es daheim. In der Dämmerstunde war Georg im Rektorhaus. Da saß er auf der Truhe und streckte die langen Beine weit ins Zimmer hinaus, er konnte sie nicht anders unterbringen. Der Rektor mußte einen Umweg machen. Aber er mochte den Heimgekehrten nicht von seinem alten Sitz verjagen. Nun tanzte der freundliche Flammenschein über das große Studentenbild.
„Das wirst du nun alles erleben,“ sagte der Rektor.
„Wenn es sich so begäbe, es sollte mich freuen, wenn du bei meiner alten Verbindung einträtest. Es sind tüchtige Leute daraus hervorgegangen.“
Er paffte große Wolken aus seiner Pfeife. Die zogen an den Wänden entlang.
„Ich will dir nicht viel sagen. Du mußt dein Leben selber erleben. Es hilft nichts, daß wir Alten euch viel vorreden. Freue dich deiner Jugend, und mach’ die Augen auf. Das Leben ist rings um dich her und ist in dir drin. Du hast viel Neigung, allein zu sein und dich vor den andern zuzuschließen und hast doch auch ein Verlangen nach ihnen. Ich weiß es ja. Laß beidem sein Recht zu seiner Zeit. Sei bei dir selbst zu Hause, dann kannst du unbeschadet auch mit den andern gehen. Ach, was hilft das Reden? Geh’ nur. Man kann euch ja doch keinen Schritt abnehmen. Es ist auch wohl besser so.
Und hier hast du eine Pfeife. Ich will dir zeigen, wie man sie stopft. Ich habe sie dir angeraucht.“
„Aber Mann, das Rauchen, das fängt er früh genug an. Du brauchtest es ihn nicht zu lehren,“ sagte die Rektorin.
„Ich will dir auch etwas sagen, Georg. Du siehst dich einmal gelegentlich nach dem kleinen Mädchen um, nach der Lore. Ein feines Kind war das. Mich soll’s wundern, was die Maute aus ihr gemacht hat. Aber dort zu wohnen gehst du nicht, falls sie ja richtig möblierte Zimmer vermieten. Die Maute ist, — kurz, sie ist etwas schlappig. Das war sie von jeher. Du kannst aber sagen, ich lasse beide freundlich grüßen.“
Gertrud saß auf dem hohen Drehstuhl vor des Rektors Stehpult. Sie hatten nicht mehr beide Platz auf der Truhe.