Ich weiß das auch, Georg.“

„Ja,“ dachte Gertrud, und ihre Augen gingen zwischen dem alten und dem jungen Haupt hin und her, „aber manchmal begegnet uns doch auf diesem stillen Wege, von dem du sagst, ein Mensch, der die gleiche Sprache spricht oder doch die unsere in sich widerhallen läßt. Und dann geht ein Grüßen von Seele zu Seele: Du Bruder, o du Bruder.“

Aber sie sagte es nicht laut.

Es ging etwas Neues durch sie hindurch, etwas, das sie nicht benennen konnte. Das verschloß ihr den Mund.

„So, nun wollen wir zu Bett gehen.“

Der Rektor lehnte seine Pfeife an die Wand.

„So behüt dich Gott, Georg. Glück auf den Weg. Es gibt jetzt harte Bretter zu bohren, ich weiß es. Es ist ein enges Tor, das Examen. Aber dahinter ist das Leben. Du mußt dich nicht fürchten; es ist nirgends etwas zu fürchten. Die Sonne steht über allen Wolken, und Gott über allen Sonnen. Ich bin kein Dichter geworden, Georg. Du weißt es. Aber es ist dennoch eine Harmonie durch mein Leben hindurchgegangen; es hat sich dennoch gereimt. Ich habe nie aufgehört, die Rufe aus den Menschenherzen und aus den Kinderherzen vor allen, und aus dem Leben ringsumher zu vernehmen und zu verstehen. Das darf ich jetzt sagen. Es wird sich bei dir auch reimen, da habe ich keine Sorge.“

Ja, er hatte keine. So fest überzeugt war Georg nicht davon. Er hatte starke Zweifel in dieser Hinsicht. Er sah etwas unsicher nach der Ecke, in der sonst die Rektorin saß. Er vermißte noch ihre Ermahnung: „Du mußt dich zusammennehmen, mein Sohn. Und so weiter.“

Heute ermahnte ihn niemand. Er mußte es selbst tun, wenn es geschehen sollte.

Da zog er seine langen Beine an sich und stand auf.