„Aber,“ dachte sie mitleidig, „für sie wird es doch nicht kommen. Sie kann kein volles Menschenleben leben. Warum muß es Kranke geben und Schwache?“
Da fühlte sie, wie ihr das Blut frisch und warm durch die Adern rann. Ach, es würde schon alles kommen. Es war auch jetzt schön. Die Hoffnung, die liebliche Märchenerzählerin, die winkte mit der weißen Hand: Du aber, du wirst das alles erleben, du bist lebenswillig und lebenskräftig.
Ja, das war sie.
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„Großvater, bist du noch da? Wir haben uns ganz verschwatzt. Du glaubst nicht, was Veronika sich zusammendenkt, wenn sie so sitzt und näht. Ich glaube, sie stattet sich Himmel und Erde auf ihre Weise aus. Du solltest wieder einmal zu ihr gehen. Ich glaube, du bist ihr das Höchste, was ein Mensch sein kann.“
Gertrud lachte leise.
„Ich streite es ihr nicht ab. Jetzt komm, jetzt müssen wir heim. Völlig dunkel ist es geworden.“
Da hatte er seine Freude an ihr, Freude und keine Sorge.
Sie aber ging neben ihm her und faßte ihn nach Kinderweise an der Hand und war doch längst kein Kind mehr.
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