Franz der Jüngere aber hatte sich ans Fenster gesetzt, um die Vorübergehenden zu betrachten, und war nicht gesonnen, den schönen Vormittag hier zu versitzen. Als er nun eine Weile so durch die Scheiben gesehen hatte und eben bei sich erwog, wie er den Alten, die ihm zu seßhaft wurden, für eine Weile davon und an den Schauplatz der heutigen Festlichkeiten kommen könne, da sah er unvermutet seinen Bruder Georg in der engen Gasse auftauchen. Er schritt einher, wie einer, der wohl weiß, daß die Welt ohne ihn nicht ganz das wäre, was sie nun ist, in festlicher Kleidung, mit Band und Mütze und mit einem hellen, heiteren Gesichtsausdruck. Er schien in diesem Augenblick der Aufmunterung nicht zu bedürfen, oder vielmehr schien er die Aufmunterung, die ihm taugte, selbst mit sich zu führen. Denn rechts und links von ihm gingen zwei Mädchengestalten, mit denen er in eifrigem Gespräch begriffen war und alle drei schienen sich schon in der erwünschtesten Feststimmung zu befinden, so verschieden sie auch sonst von einander sein mochten.

Eins der Mädchen kannte Franz; das war Gertrud Cabisius. Sie trug ein einfaches, hellgraues Kleid und schritt in ihrer bekannten, aufrechten Haltung und mit festen Tritten, denen man übrigens die Elastizität, die die Freude gibt, wohl anmerkte, neben Georg her. Franz sah aber flüchtig über sie weg. Da war die andere, die er nicht kannte. Oder doch? Oder sollte das die Lore sein? War so etwas möglich? Die war in ein lichtes Festgewand gekleidet und schien die düstere Gasse ganz zu erhellen, so leicht und hell und überaus anmutsvoll schwebte sie dahin.

Alle Wetter! sagte Franz und nahm seinen Hut vom Nagel. Es galt, er mußte sich sputen, die drei gingen rasch die Straße hinab, er konnte sie aus den Augen verlieren, wenn er säumte.

Die Alten sahen erstaunt hinter ihm drein. „Bleibt hier sitzen, bis ich komme,“ rief er noch unter der Tür. „Es ist der Georg, ich bringe ihn dann mit.“

Da blieben sie denn sitzen. Es war geschickt so, sie hatten ohnehin schon ihre Zweifel gehabt, wie der Student heut werde aufzufinden sein. Denn sie mußten es sich ja gestehen, sie hatten es ihm nicht mitgeteilt, daß sie kommen wollten.

„Glück muß der Mensch haben,“ sagte der Müller Hensler, und darauf stießen sie alle drei an. Nun konnten sie das Übrige vollends erwarten.

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Georg Ehrensperger, der konnte heut einmal aus dem Vollen leben. Es war kein Wunder, daß er aufgehellt aussah.

Rechts hatte er Gertrud Cabisius, und links Lore, und sie gingen wie ein schönes Doppelwesen, das zu ihm gehörte, mit ihm. Er führte sie in seine Stube und als er sie da hatte, da sah er von einer zur andern mit stolzer Freude und hätte am liebsten aus drängendem innerem Vergnügen heraus einen Purzelbaum geschlagen; aber das erlaubte dann wieder die sieghafte Männlichkeit nicht, in der er sich neuerdings befand.

So hatte er sich das hundertmal ausgedacht: Da saßen sie beide nebeneinander, Lore in ihrer funkelnden Schönheit und in guter, freundlicher Stimmung, lieb und lachend, wie sie oft, aber nicht immer war, und Gertrud in ihrer festen, geraden, klugen Art, die so sicher und selbstverständlich zu ihm gehörte, und die heute noch von einer festlichen Freude überglänzt war, so daß er sie nur ansehen mußte.