Er lachte, vergnügt und halb verlegen, daß er so plötzlich da sei. Denn hier fühlte er sich nicht so sicher, wie zu Hause. Er mußte hier den Jüngeren gelten lassen, dessen Geist sozusagen um die Wände webte. Es war doch ein anderes Verhältnis als in Wiblingen. Er fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Er hatte immer noch einen steil aufstrebenden Schopf.
„Der Vater ist auch hier und der Müller Hensler,“ sagte er. „Wir haben die Einladungskarte erhalten, da gedachten wir mitzufeiern.“
Bei diesen Worten sah Lore prüfend zu Georg hinüber. Ja, das hatte sie wohl gedacht, er hatte richtig die kurze, gerade Falte zwischen den Brauen. Die hatte er, wann er sich ärgerte.
Er dachte wohl, er hätte die Seinigen lieber an einem andern Tag empfangen? Er sah so aus. Die Bemerkungen des Müllers Hensler entbehrten oft eines gewissen Taktes, und die beiden Franze, Vater und Sohn, — nun ja, er hätte sie lieber ein andermal in dem neuen Haus umhergeführt.
Aber dann warf er plötzlich den Kopf zurück und sein Blick begegnete dem Lorens. Sein Lied, ja, das durften sie wohl hören; das war ja gerade geschickt. Sie sollten nur staunen, wie er in Ehren stand unter seinen Genossen. Und überhaupt, hinweg mit allem Ärger, heute sollte alles hell und freudig sein und war es auch.
Lore nickte ihm zu; so warm und so ermutigend.
„Ach, sei nur zufrieden, das machen wir alles. Laß mich nur sorgen. Du weißt, wenn ich will, — und ich will, — niemand und nichts soll dir heut die Festfreude stören.“
Das sagte sie alles mit einem raschen Blick und dann wandte sie sich triumphierend an Franz. Wie ehrlich entzückt der sie ansah. Er dachte gar nicht daran, seinen Augen irgend einen Zwang anzutun.
„Ja, ja,“ sagte sie und lachte. „Da ist nichts zu fragen und nichts vorzustellen. Das sind wir, beide. Müssen wir „Sie“ zueinander sagen? Ich meine nicht. Wir sind doch Nachbarskinder gewesen, und dann sind Georg und ich auch so gute Freunde.“
Ja, dagegen hatte Franz natürlich nichts einzuwenden. Es konnte ihm nichts lieber sein. Mächtig gemütlich war das. Das war ein Mädchen. Sie fing sofort an mit ihm zu plaudern. Und dann unterbrach sie sich plötzlich: „Wir müssen still sein, denn nun spielt uns Georg sein Lied vor. Fang noch einmal vorne an, Georg. Ja, du, Franz, heut müssen wir stolz auf ihn sein. Das wißt ihr in Wiblingen wohl noch gar nicht?“