Aber Lore sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Nicht jetzt,“ sagte sie halblaut. Hatte sie seine Gedanken gelesen? Da setzte er sich wieder.
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Und es wurde Abend und die drei Wiblinger fuhren heimzu und waren weder über sich selbst noch über ihren Studenten so ganz im Klaren. Festlich umnebelt waren ihre Köpfe und ihre Gemüter, aber dunkel war ihr Wissen von der Zukunft. Eins stand fest: es mußte noch einmal Geld herausgerückt werden; aber dafür schien denn auch etwas ganz besonderes aus dem Jüngsten zu werden. Sie wollten es sich am Tag noch einmal überlegen. Sie hatten doch wohl noch nichts Sicheres versprochen? — Doch, das hatten sie, Lore, das Hexenmädchen, hatte mit ihnen darauf angestoßen, Franz der Jüngere wußte es noch genau. „Wir wollen der Frau noch nichts davon sagen, heute noch nicht, sie — sie ärgert sich sonst,“ sagte er, als das Wägelchen über das Wiblinger Pflaster rasselte. Er hatte den Tag über die häusliche Unlust ein wenig vergessen, nun kam das Gewicht wieder. Was half ihn die goldene Bretzel? Was half ihn die wachsende Habe, wenn nirgends eine Ruhe und ein Behagen war? So hatte er es nicht gemeint, als er sich ein Weib nahm.
„Was? Ich soll wohl die Junge fragen? Bin ich nicht mehr mein eigener Herr?“ Der Vater Ehrensperger wollte aufbegehren. Er konnte seinen Jüngsten werden lassen, was er wollte, er war noch eben so forsch, als er in seiner Jugend gewesen war.
Er konnte es sich leisten, wollte er meinen. Aber als er das sagte, sah er die junge Frau mit einem Licht unter der Ladentür stehen, und er machte sich etwas verlegen am Spritzleder des Wägelchens zu schaffen und schwieg und suchte sein Lager auf, so bald er konnte.
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„Wir wollen es ihr heute noch nicht sagen,“ sagte auch Lore und meinte Gertrud damit.
„Was sollen wir ihr sagen? Etwa, daß wir uns —,“ sie lachte leise — „es ist alles noch so unfertig. Sie ist so gescheit, sie würde uns für törichte Kinder halten. Du, das sind wir auch, nicht? Später, da soll sie alles erfahren, sie zuerst, meinetwegen. Nun sei nicht brummig.“
Ja, wie sollte er das erzählen? Aber es drückte ihn, daß er es nicht konnte. Er hatte ihr noch nie etwas verhehlt. Er wollte Gertrud nicht verlieren, das konnte er nicht, niemals.
Ach, wußten sie denn beide nicht, daß sie schon so vieles gesagt hatten? Sie waren Hand in Hand gegangen, als sie in den Wald gingen, und als sie wieder aus dem grünen Tor traten, da wetterleuchtete es auf ihren Gesichtern, wie von einer heißen und großen Freude und wie von einem neuen Erleben. Sie konnten es nicht verbergen und dachten auch nicht daran, es zu tun. Die Wiblinger merkten es nicht, und die Putzmacherin Maute — tat, als ob sie es nicht merke.