Aber der Doktor hatte ihm kein Mittel gegeben. Fußbäder sollte er nehmen, und Wasser trinken — und dann das Weinverbot.
Aber um des Weinverbots willen ging der Doktor der Hochachtung des Bäckers Ehrensperger verlustig.
— „Wenn er sonst nichts weiß. Wozu die studieren, das möcht ich wissen. Mir hat der Wein noch nie etwas getan. Aber man ist verkauft, sobald man einen Arzt frägt. Krank ist man von dem Tage an.“
Denn der Doktor hatte kurz und trocken den Schlagfluß in Aussicht gestellt, falls seine Vorschriften nicht befolgt würden.
Schwer war es. Wenn man sich zur Ruhe gesetzt hat und will noch ein paar gute Tage haben in seinem Alter und hat das Geld dazu. Was soll man dann mit sich anfangen? Nicht einmal trinken soll man.
Man brauchte ja dem Doktor nicht alles zu glauben. Aber unbehaglich war es von nun an doch. In jedem Krug voll roten Heilbronners saß ein Ungetüm, es konnte einem alles entleiden.
Da hatte er sich nun gestern entschlossen, da, als sie bei der Ausfahrt im Wagen den Uhlbacher tranken, sich nur auch einen Tag lang der unangenehmen Gedanken zu entschlagen und „zu leben, wie ein Junger“, so sagte er.
Das hatte er auch getan in seiner Weise.
Aber nun mußte er die Rechnung bezahlen.
Es war in der Nacht noch geschehen. Niemand wußte, wann und wie der Schlaganfall gekommen war. Als der Vater nicht herunterkam, ging Franz hinauf und sah nach ihm und fand ihn, halb im Bett und halb außer dem Bett, mit offenen, unruhigen Augen und schwerem Atem. Das ließ sich Georg alles erzählen und verwand rasch das Komische, das ihm angeflogen war, und war fast froh, daß er etwas wie Trauer empfand und hätte sie gern noch tiefer gespürt. Eine Stunde, nachdem Georg gekommen war, hob der Kranke den Kopf ein wenig und zwinkerte dem Müller Hensler zu, und sah seine Söhne an und formte mit den Lippen undeutliche Worte. Sie verstanden nur weniges: „Immer gutes Brot gebacken — der Kleine, der will — ich bezahl’s — Franz, du — nein, nicht die Junge —.“ Er hatte einen Pik auf seine Söhnerin. Und dann sah er sich mit dem Müller Hensler unterwegs und der ging ihm zu schnell und er mußte keuchen, um mitzukommen: „Immer — langsam — voran, — die — die Jüngsten sind wir — auch nicht mehr.“