„Was ich getan habe? Du weißt es. Ich habe mich nicht so zusammengerafft, wie ich gesollt hätte. Es war mir immer, als ob ich das Rechte, das mich ganz füllen sollte, noch nicht hätte; da suchte ich es überall. Einmal, da half ich einem Weingärtner, draußen in der Neckarhalde, Erde tragen, wohl zwei Stunden lang. Er ließ sich die Hilfe gefallen, aber er hielt meine Arbeit doch für einen Studentenulk; er dachte, es komme noch irgend ein Unsinn hintendrein und sah sich zuweilen mißtrauisch um.
Aber es war nur das drängende Verlangen, etwas zu tun, das der Mühe wert wäre, getan zu werden. Begreifst du das? Es kommt manchmal mit Gewalt über mich. Ich möchte der Welt etwas geben, das sie ohne mich nicht hat, etwas Großes, Schönes.“
Aber sie schüttelte lachend den Kopf.
„Ach, du denkst dir immer so sonderbare Sachen aus. Weißt du nichts anderes mit mir zu reden? Nun hast du doch, was dir noch gefehlt hat, nicht? Neulich sagtest du es.“
Sie sah ihm tief in die Augen, lockend und verheißend: da hast du mich, das wolltest du doch?, und lehnte den Kopf an seine Schulter.
„Nun rede von etwas anderem. Du mußt dich beeilen, daß du etwas recht Schönes schaffst, ich will nicht zu lange warten. Du mußt sehr oft hierher kommen. Du sagst, wenn du neben mir sitzest, fallen dir die schönsten Melodien ein. Das gefällt mir. Sag noch so etwas Hübsches.“
Sie sah ihn mit glänzenden Augen erwartungsvoll an. Da strich er ihr weich und zärtlich über das Haar: „Du Liebste, du mußt mich ein wenig trösten. Nun bin ich fast vierzehn Tage zu Hause gewesen und habe Gertrud fast gar nicht zu sehen bekommen. Sie war so anders als sonst, so still und ernst. Ernst war sie immer, aber nicht so wie jetzt. Und immer in Tätigkeit. Den ganzen Tag mit etwas Dringendem beschäftigt, und immer in der Dämmerung bei den Turmwartsleuten, wo die Frau krank ist. Und nie ein rechtes Gespräch mit ihr. Was das nur ist? Sie war in ihrem Leben noch nie launisch. Nun sagte der Rektor, als ich es ihm klagte: ‚Du mußt sie jetzt gewähren lassen. Man hat Zeiten im Leben, da kann man nicht mit den andern gehen, da muß man für sich sein.‘ — Ich verstehe es nicht. Was sagst du dazu, Lore?“
Aber sie hütete sich wohl, zu sagen, was sie davon dachte.
Tausenderlei Dinge fragte sie und zog ihn spielend in ihre Gedankenkreise. Da vergaß er, was ihn drücken wollte.
Und dann kam Frau Maute aus dem Hause und war sehr mütterlich, und Georg mußte das über sich ergehen lassen, obgleich er immer ein gewisses Grauen davor hatte. Er hatte sich nicht in Lorens Mutter mitverliebt. Aber da war nun nichts zu machen. Er mußte von Franz erzählen, den beide Frauen ins Herz geschlossen hatten, und von seinem Examen, und von seinen Plänen für das neue Studium. Und darauf bekam er eine Menge Ermahnungen, sich ein wenig zu beeilen, und — sagte Frau Maute, auch ans Praktische zu denken. Allzu ideal, das sei für die ersten Jugendjahre gut, aber — hi hi — wenn man einmal — sie blinzelte nach Lore hin —, da stand Georg auf.