Zweites Kapitel

„Horch, — still, Nössel, ich glaube, — ja, wahrhaftig, es ist so. Hast du’s auch gehört?“

Meister Nössel hatte es auch gehört. Er nickte eifrig mit dem grauen Kopf und hielt ihn dann horchend vor.

„Da, noch einmal.“

Dann ging ein zufriedenes Leuchten über seine Runzeln. Er stand vor dem Rektor Cabisius. Der hatte einen grünen Schild über den Augen; man konnte nicht sehen, welchen Ausdruck sie hatten; aber der Mund lächelte, weich und froh. „Daß ich das jetzt grad so mitangehört habe,“ sagte Meister Nössel. „Das freut mich. Das hätte die Judith auch gefreut, wenn sie noch da wär. Ja, die Judith.

Ich hab’ so gedacht: trägst den Schlafrock noch herauf vor Dunkelwerden. Er hat ein ganz neues Ärmelfutter, Rektor, und da, das Loch von der Pfeife, das hineingebrannte, das hab’ ich unterlegt und gestopft. Und da hab’ ich gedacht: redst ein Stückchen mit dem Rektor, er sitzt da so allein. Da macht mir die Gertrud das Haus auf, mit ihrem ernsthaften Gesicht. Nein, sag nichts, Rektor, ich weiß schon, es ist ihr ein Hagelwetter über ihr Feld gegangen. So etwas merkt man. Was hat unsereiner denn noch für eine Freude, als das bißchen Jugend, das um einen herum ist? — Ja, und sie guckt jetzt immer an einem vorbei, die Straße herunter, als ob etwas kommen müßte und käm doch nicht. So auch heut. Aber dann hat sie sich gleich einen Ruck gegeben und mich freundlich angesehen. — Daß du wieder froh wärest, hab’ ich gesagt. Aber gesagt hab’ ich nichts.

Und jetzt das.“

„Setz dich doch, Nössel. Was stehst du da vor mir? Das hab’ ich immer gewußt, daß sie sich wieder herausreißt. Sie ist ein gesegnetes Kind. Aber wenn man’s dann zum erstenmal wieder merkt, daß es aufwärts geht. Es ist so still gewesen im Haus, die Zeit daher.“

Und dann schwiegen sie beide.

Da kam es noch einmal. Aus dem Nebenzimmer kam es, und tönte unter schwatzende Kinderstimmen hinein. Ein kurzes, helles Mädchenlachen.