Aber sie war nicht mehr da, um die alten Pflicht- und Würdezeichen an sich zu nehmen. Da mußten sich andere Leute dazu bequemen, und das taten sie auch. Man muß es ihnen lassen, daß sie es äußerst bereitwillig taten.

Es war je länger je mehr mit Hängen und Würgen gegangen, sowohl was die Putzmacherei als die möblierten Zimmer betraf. Sie waren zu nichts gekommen und es hatte nirgends recht hinreichen wollen. Dazu kam, daß Lore nicht mehr recht Lust hatte, in Tübingen zu sein.

„Ach, es wächst immer wieder so junges Gemüse daher, was will ich davon? Ich wollte, Georg machte voran.“

Ja, das hätte Frau Maute auch gewollt.

Als Georg, etwas später als die andern, denn er hatte die bekannten Gräber besucht und an Frau Judiths Grab Meister Nössel getroffen, — als er vom Kirchhof zurück kam und in die Ladenstube trat, wo alle um den Kaffeetisch saßen, verstummte ein lebhaftes Gespräch, das sie soeben geführt hatten.

„Sag’s ihm, Franz.“ „Nein, du.“ „Nein, ich,“ sagte Lore und machte ihm an ihrer Seite Platz.

„Was würdest du dazu sagen, wenn wir hier blieben, die Mutter und ich?“

„Man kann doch Franz nicht im Stich lassen. Er muß doch jemand haben.“ Das sagte Frau Maute. „Und da du wohl doch noch nicht so schnell Hochzeit machen kannst, so dachten wir,“ sie brach ab und sah ihn erwartungsvoll an.

Wie merkwürdig das alles war. Eben noch dort draußen der eisgraue Mann, Meister Nössel, der ein ganzes Stück seiner Kindheit und Jugend in ihm wachgerufen hatte, dann im Heimgehen die alten Gassen und Häuser, unter den Akazien Mütter mit Kindern — mit den Müttern hatte er selber als Kind gespielt — nun hier in seinem Vaterhaus, in der alten Ladenstube, wo noch die beiden Edelleute an der Wand hingen, wie vor Zeiten, dieser Kreis von Menschen, niemand neues dabei, nur so neuartig zusammengeschlossen.

Franz, der nur zwei Jahre älter war als er, saß da als Witwer, hatte schon alles erlebt, was in ein Menschenleben herein gehört, was wollte er nun noch?