Es war ihm auf einmal, als ob er nicht daher gehöre. Gar nicht in diese Stube und in diesen Kreis. Er hätte allein mit Franz auf das Baumgut gehen mögen, wie in Kindertagen und eine Weile mit ihm von ganz harmlosen Dingen reden, oder allein mit Lore in den Wald gehen. Er hatte ihr so viel zu sagen, so viel. Er konnte es nicht hier tun, vor allen, er konnte es nicht.

Er sah sie bittend an: „Kommst du ein wenig mit mir?“

Aber sie merkte es nicht. Oder wollte sie nicht?

„Du, Georg,“ sagte sie, „die Mutter hat erfahren, daß man fürs Komponieren fast gar nichts bekomme. Man möge noch so schöne Sachen hinbringen. Sag, ist das wahr? Du kannst dir denken, daß ich keinen schlechten Schreck gekriegt habe. Aber du verstehst es wohl besser, gelt? Du mußt ja wissen, worauf es hinausläuft. Sag.“

Und alle sahen ihn an und wollten wissen, „worauf es hinauslaufe“. Das war so natürlich — so natürlich. Aber es wandelte ihn dennoch die Lust an, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen aus innerem Grimm heraus. Er mußte sie im Sack ballen, daß er es nicht tat. Sie hatten ja doch ein Recht, zu fragen. Aber wie tausendmal er sich selber schon gefragt hatte, das wußten sie ja nicht.

Er atmete schwer. „Ich habe mit dir davon reden wollen, Lore,“ sagte er endlich, da sie ihn alle ansahen.

„Du kannst nicht sagen, du wissest nichts von dem, was ich schaffe, ich habe es dir immer geschrieben.

Ich habe etwas angefangen, das, wovon ich dir einst sagte, im Wald, an jenem Tag, etwas unsäglich Schönes. Die ganze Welt ist drin. Ich höre es im Wachen und im Traum. Das muß werden. Es wird auch. Aber laß mir Zeit dazu, Lore, glaub’ an mich, sei geduldig. Sieh, manchmal ist es zum Greifen nahe, dann entschwindet es wieder in alle Fernen.“

Er sprang auf, lehnte sich an das Fensterkreuz und redete im Stehen weiter. Seine Augen lagen auf Lore, er suchte in ihrem Gesicht. Suchte er den hellen Funken, der damals von ihr zu ihm gesprungen war, zündend, verheißend, befruchtend?

„Ich — ich habe es dir schreiben wollen. Ich will aus dem Konservatorium austreten, es ist nichts für mich. Es ist da so viel zu hören und zu lernen, das mich nichts angeht innerlich. Ich will einmal nur auf das horchen, was aus mir herauswill. Sonst kommt mir hundertmal das Fremde dazwischen.“