Kühl und weich war das Moos am Waldrand, in das er sein Gesicht drückte. Ganz still standen die jungen Bäume und horchten. Aber sie hörten nicht, was er redete, es kam nicht über die Lippen.
Vielleicht wußte er es auch selber nicht so genau, was alles in starkem Lebensdrang aus seiner Seele strömte. Ein Dank und eine Freude und ein Sich-hin-geben-wollen an die Welt. Ein Gebet: Bleib mir nah, du — du ew’ger Geist, des Wesen alles füllet —, bleibet mir nah — ihr, die ihr zu mir gekommen seid — schließet einen Kreis um mich. Das und mehr. Es wurde immer stiller, größer, es ging immer mehr nach innen.
Leise ging der Nachtwind über ihn hin.
Er ist schon über manchen hingegangen, der in der Nacht „auf einen Berg besonders“ ging, um sich in der ewigen Einheit zu fassen, und um den rechten Ton zu finden, am Morgen mit den Menschen vom Ewigen zu reden.
Es war ziemlich spät, als Georg wieder den Berg hinabstieg. Alles war still umher, er fing hie und da leise an zu summen: „Alle die Schönheit Himmels und der Erden ist verfaßt in dir allein“ und dann brach er wieder ab: „still!“ und sagte:
„Das wahre mir zur Leuchte,
Auf daß mir’s auch den Pfad erhellt,
Der mich umnachtet deuchte.“
Sie hatten auf ihn gewartet und waren etwas ärgerlich, daß er so lange ausgeblieben war. Und Lore saß im Großvaterstuhl und rührte sich nicht, als er hereinkam. War sie böse? Daran hatte er gar nicht gedacht, er wollte ihr sein ganzes, volles Herz bringen, das hatte ihm zuletzt die Schritte beflügelt. Da sah sie auf und sah ihn an und wollte irgend etwas Gekränktes sagen und blieb staunend still. So rein und schön war der Glanz seiner Augen und so still und fest seine ganze Haltung, so sehr leuchtete ihr seine hohe Liebe entgegen und dann noch etwas, das sie nicht kannte, etwas Sieghaftes, Heiliges.
„Komm,“ sagte er. „Ich muß morgen früh abreisen, wir haben nur den einen Abend. Komm mit mir in meine Kammer herauf, in der ich mit vierzehn Jahren schlief. Nein, sag nichts, ich muß dir viel erzählen.“
Da führte er sie an der Hand aus der Stube und die Treppen hinauf bis unters Dach, und die Zurückbleibenden schüttelten ratlos die Köpfe: „Was hat er jetzt wieder? Ist das ein närrischer Mensch.“ Und ratschlagten, ob denn jemals etwas aus ihm werde, und fanden große Beruhigung in der Erkenntnis, daß „so etwas“ sonst nicht in der Ehrenspergersfamilie daheim sei, — wenn er aber nur nichts Ungutes von seiner Mutter geerbt habe.
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