Jetzt bin ich da, Gertrud, und merke erst, wie arg zerbrochen. Ich will aber versuchen, zu leben und nun dennoch —.“
Als Georg Ehrensperger, Musiklehrer und Vikar der Blindenanstalt, droben in seiner einsamen Stube im dritten Stock soweit geschrieben hatte, legte er die Feder weg und es flutete in heißen Wellen über ihn hin, daß er nicht wußte, was er dennoch wollte, und er ließ den Kopf tief auf die Brust herabsinken und saß mutlos da.
Da ging die Tür geräuschlos auf und ein Zögling des Hauses, ein blasser, feiner Jüngling mit lichtlosen Augen stand da und sagte: „Ich habe geklopft, aber Sie haben es nicht gehört. Es ist Besuch für Sie da.“
Besuch?
Feste, wohlbekannte Tritte auf dem Gang, eine liebe Stimme.
„Georg.“ Da trat sie, der er soeben sein Herz ausgeschüttet hatte, herein zu ihm und nahm ihn bei der Hand. „Grüß Gott.“
Er konnte nicht gleich reden. „Gertrud.“ Das war alles. Es war auch nicht nötig, mehr zu sagen, er schickte sie nicht fort, das merkte sie dennoch.
„Da, lies, das ist für dich,“ sagte er.
Aber sie wußte ja alles. Ahnte er denn nicht, wie sie mit ihm fortgelebt hatte?
„Wie kommst du hierher, Gertrud? Wie hast du mich gefunden?“