„Bleib nur. Du weißt, ich mußte kommen. Gelt, du verstehst es. Ich bin deine Schwester, das bleib’ ich. Du hast es immer gewußt, ich nicht immer.“

Da ging sie hin. Er sah ihr nach, bis sie um die Ecke verschwand.

Dann atmete er hoch auf. Untergehen? Nein.

Siebentes Kapitel

Die Fenster standen weit offen, die laue Abendluft trug den Duft der Reseden und Levkojen vom Garten herauf ins Zimmer. Es war ein stilles Zimmer. In dem großen Lehnstuhl saß der Rektor Cabisius. Er hatte das weiße Haupt auf die Brust gesenkt und dämmerte so zwischen Schlaf und Wachen dahin. Die Zeit war gekommen, da er von dem allem, was ihn hier umgab, Abschied nehmen sollte. Es war kein Losreißen, er ging still und gern. Das große Studentenbild sah von der Wand herunter auf den Greis. Wo waren alle die jungen, kraftvollen Gestalten hingekommen? Sie hatten alle ihren Weg durch die Welt gemacht und waren wieder gegangen; neue Generationen waren nach ihnen gekommen. Er war wohl der Letzte von den Alten, damals Jungen.

Der Greis regte sich und hob den Kopf.

„Ja, Anne, so jung als möglich.“

„Hast du etwas gesagt, Großvater?“

Unter der offenen Tür des Nebenzimmers erschien Gertrud.

Sie trat zu ihm. Er lächelte und öffnete die Lider seiner blinden Augen. Das tat er wohl aus alter Gewohnheit, denn die Gestalt seines Kindes, das vor ihm stand und ihr Gesicht mußte er ja mit andern Augen wahrnehmen, als mit den erloschenen seines Leibes.