„Ich glaube, ich habe mit deiner Großmutter geredet. Sie ist jetzt immer neben mir. Sie sagte in ihrer raschen Art, wie sie früher oft sagte: „Wir müssen so jung als möglich sein, Alter. Für das Kind. Du bist aber kein Kind mehr, Gertrud.“

„Du bist aber so jung als möglich gewesen, Großvater, du bist es für mich gewesen. Ich danke dir so herzlich dafür.“ Sie kniete neben ihm und legte ihren Kopf in seinen Schoß.

„Du Kind, du bist lebensreifer, als ich je gewesen bin. Das hat das Leid getan, das große Alleinsein. Ich habe es gewußt, wir haben nur nie darüber geredet. Aber jetzt, da ich gehe, sag, Gertrud, wie ist es? Ich muß es Anne sagen können. Wie ist es mit dir und Georg?“

Er mischte Traum und Wirklichkeit durcheinander.

„Ach, Großvater, da ist nichts zu sagen. Er ist wieder bei mir, wie einst. Er hat mich lieb und ich gehöre zu ihm, wie ich es von Kindheit an tat. Aber wenn du das meinst, das eine: ich bin ihm nicht das Weib, nicht sein anderes Ich. Ich weiß es. Das kann nie kommen, das ist nicht. Das ist ein Rätsel des Lebens, das Gott allein weiß. Ich weiß nicht, ob irgendwo jemand lebt, der zu ihm gehört; bis jetzt weiß er nichts davon. Manchmal denke ich, wir werden so leben und alt werden und davongehen, und irgendwo sei die Lösung des Rätsels, die andere Seite des Gewebes, die wir dann zu sehen bekommen. Aber ich weiß es nicht. Bis dahin, — man muß sich stillen und nichts verlangen, und sein Leben füllen, so gut man kann. Sie sind ja alle irgendwie in Not, die Menschen. Man muß sie lieb haben und verstehen, nicht in ihrer Sünde, in ihrer Not. Das tat Er auch.“

Sie schwieg. Der Abend dunkelte durch das Zimmer. Der Greis schlief wieder. Er war so müde.

Draußen wurden Schritte hörbar, rasche, kräftige Tritte.

Das kleine Dienstmädchen verhandelte etwas mit jemand, dann klopfte es an die Tür des Nebenzimmers.

„Herein.“

„Grüß Gott, Gertrud.“