„Grüß Gott, Georg.“ Sie war aufgestanden und ihm entgegengegangen.
„Lebt er noch?“
„Ja.“
„Ich habe nicht bälder kommen können. Es war so vieles in den letzten Wochen und Tagen, Prüfung und Jahresfest, und, Gertrud, ich habe es nicht lassen können, ich habe einiges von meinem Eigenen mit den Blinden eingeübt, einen Chor, und ein Orgelstück, und ein Andante für Klavier und zwei Violinen. Es ist aus dem Alten, das nicht schweigen will. Sie haben es mir so lebendig abgenommen, du glaubst nicht, wie froh es mich gemacht hat. Sie haben nicht so viele Tore ihrer Seele, durch die das Leben aus- und einströmt, darum sind sie gesammelter, einheitlicher. Wir hatten kein Publikum dazu, wir waren unter uns. Es war aber ein Fest.“
Sie sah auf ihn und freute sich, daß er so hell und frisch dreinsah und dachte, wie eine Mutter denkt: „Wie hat er sich herausgerissen und ist des Seins und Lebens mächtig geworden. Ach, das ist ja nicht so wichtig, was sein Amt und Titel ist, und ob seine Altersgenossen weiter sind, als er. Was er ist, das ist das Wahre, und er ist ein Mensch und Mann, an dem Gott selber seine Freude haben kann.“
Sie saßen aber still in der Stube neben des Rektors Studierstube. Von drinnen kam ein leichtes, kurzes Atmen und hie und da ein Wort, im Halbschlaf geredet.
Da, nach längerer Zeit, fingen sie an, sich flüsternd zu unterhalten.
„Wenn er aufwacht, dann will ich zu ihm hineingehen. Ich möchte ihm noch so vieles sagen, aber das werde ich ja nicht können. Weißt du, mit dem Danken, es ist so eine Sache. Wer sich selber von Herzen gab, der will keinen Dank dafür. Und so gab er sich, sein Leben lang, wenigstens seit ich denken kann.“
„Seit wir denken können. Das ist so ziemlich das gleiche.“
„Ja.“ Er dachte zurück, so weit er konnte.