Die Hausglocke schellte.
„Das ist Meister Nössel. Er kommt jeden Abend um diese Zeit und sieht nach dem Großvater. Es ist ein Wunder, daß er es noch kann, er ist so eingetrocknet und zusammengerunzelt wie eine Hutzel. ‚Wenn mich nur der liebe Gott nicht abzurufen vergißt,‘ sagte er gestern. Ich glaube, er ist in Sorge darum. Aber es ist nicht mehr viel Leibliches an ihm, man kann ruhig sein in dieser Hinsicht.“
Da kamen trippelnde Schrittlein und schwere Stockstöße näher.
„Guten Abend.“
„Guten Abend, Meister Nössel.“
„Ist er noch da? Ja? Ich dachte, er sei heut gegangen. Heut sind’s elf Jahre, daß Judith starb. Ich hätte nicht gedacht, daß es noch so lang daure, bis ich nachkomme.“
„Still.“
Vom Turme hallten die feierlichen Schläge der Betglocke.
„Er hat’s doch gelernt. Das Läuten, meine ich. Ich habe einst im Ärger gesagt: Das lernt er nie so recht, er läutet anders, weil er anders ist. Aber er hat’s doch gelernt. Er hat inzwischen viel erlebt und auch erlitten, das macht’s.“
Dann schwiegen sie wieder.