Der letzte Hall, noch einer.

„Und wenn das Leben neiget sich, laß uns einschlafen seliglich.“

Das hatte Meister Nössel gesagt. Sonst begehrte er ja auch nichts mehr. Das andere, das Unruhige, Müdmachende, Glück und Leid und Sorge und wie alle die Erdengeister heißen, das lag weit dahinten, nicht vergessen, nicht verachtet, aber ausgedient.

„Gute Nacht.“ Er gab seinem alten Freund die Hand, der war in Träumen und kannte ihn nicht.

„Das tut nichts. Wir — wir kennen uns doch wieder, wenn es Tag wird, Joachim Cabisius. Schlaf wohl, schlafet alle wohl.“

Sie hörten die Stöße seines Stockes auf der nächtlichen Gasse. „Bleibst du da, Georg? Ich bleibe die Nacht auf; wenn du willst, bleib bei mir. Der Doktor war da, kurz, eh’ du kamst, er sagt, es könne ganz leise ausgehen, wenn das Herz versage. Aber ich glaube es noch nicht. Er erwacht hie und da und spricht dann ganz klar und wie sonst, wenn auch fast ganz ohne Stimme. Hörst du?“

Sie traten leise zu ihm, da redete er undeutliche Worte, und, da er müde an die Seitenlehne gesunken war, wie ein schlaftrunkenes Kind, brachten sie ihn miteinander zu Bett.

Der Mond war heraufgestiegen und leuchtete wie vor Zeiten in die altbekannte Stube und wunderte sich, daß die lange Pfeife unbenützt am Haken neben dem Stehpult hing und daß alle die Geister und Geistchen, die sonst auf weißen Rauchwölkchen da herumspukten, schwiegen und den Atem anhielten. Als er aber bis an das weiße Bett hinleuchtete, das sonst nicht in diesem Raum gestanden war, da hörte auch der Mond auf, zu flimmern und herumzuspielen. Ganz still lag sein Licht auf dem Boden und an den Wänden und blieb auf dem Bett und der ruhigen Gestalt darin liegen.

„Es tut ihm nicht weh, du brauchst den Vorhang nicht zuzumachen, Georg.“

Da setzte der sich auf die Truhe, wie einst und sah sich um, wie die Stube in dem weichen, ruhigen Licht dalag und dachte, daß es jetzt auch anders werde, da ihr alter Bewohner davonging.