„Was willst du nun anfangen, Gertrud? Hast du dir etwas ausgedacht?“
Sie zuckte nun doch ein wenig zusammen. Was hilft das Ausdenken? „Ich bleibe vorläufig da. Ich habe es alles mit dem Großvater besprochen. Ich will Veronika zu mir nehmen, meine lahme Freundin, der die Mutter gestorben ist, und will mich um meine Patenkinder annehmen, so gut ich kann. Eines von ihnen, (du kennst ihn ja, es ist Leonhard, der mittlere Bub von den Türmersleuten, — der ist so zart und kann nicht gut so oft die vielen Stufen steigen), bekomme ich vielleicht ganz ins Haus. Dann will ich sehen, ob ich ihm etwas von allem dem geben kann, was er —“ sie zeigte nach dem Bett hin — „was er mir gab. So ist noch manches.
Ich habe früher an einen bestimmten Beruf gedacht, Krankenpflege, oder Lehrerin, oder sonst etwas. Aber daraus ist jetzt nichts geworden, und ich glaube, es ist auch besser so.“
Sie saß da so hell im Licht und Georg sah, wie es in ihren Zügen arbeitete und wie dann ein Lächeln darüber ging.
„Das ist jetzt so. Ich passe wohl nicht recht in irgend einen Model, ich bin so ein wenig anders geraten als andere Mädchen. Ich stieße wohl da und dort an, wenn ich nicht sein dürfte, wie ich gewachsen bin. Da muß ich sehen, daß ich mir selber ein Leben zimmere. Es wird auch schon gehen.“
Im Stillen dachte sie: Und dann will ich für dich da sein, so oft du eines treuen und ehrlichen Menschen bedarfst, der zu dir gehört.
Sie sagte es nicht; sie war doch wohl noch nicht heil genug, um ganz rückhaltslos von ihm und sich zu reden.
Aber er sagte es selber.
„Das ist gut für mich,“ sagte er. „Ich muß dich immer finden können. Ich weiß ja nicht, was noch aus mir wird, obgleich ich vorläufig bei meinen Blinden bleibe und noch nicht ans Fortgehen denken mag. Wie lang das noch dauert, weiß ich nicht. Was sagst du Gertrud?“
„Was ich sage? Du sollst einmal einen Schritt um den andern tun und einen Tag um den andern nehmen, wie du das bereits angefangen hast. Es wird eines aus dem andern herauswachsen, eine Aufgabe aus der andern und ein Können aus dem andern. Das sage ich und sonst nichts.“