„Doch noch eins, Gertrud.
Ich weiß nicht, was meine Altersgenossen von mir denken. Hie und da kommt einer — sie sind aber nicht alle so, lange nicht, — so ein bißchen mitleidig, ein bißchen vorsichtig zurückhaltend zu mir, neulich beim Jahresfest, oder wenn einer das Haus betrachten will, und glaubt dann, nachsichtig mit mir reden zu müssen, wie mit einem, der eigentlich etwas wie eine ‚verfehlte Existenz‘ ist. Und das, Gertrud, das will ich nicht sein. So sehe ich mein Leben nicht an, es komme, wie es wolle.“
„Das bist du auch nicht. Durch das alles hindurch geht ein gerader Weg zum rechten Leben, weißt du, dazu, ‚das Leben zu haben in sich selbst‘. Das kann man freilich den andern nicht sagen. Sie sehen nur das Äußere. Aber das wird gerade gut sein. — Gut sein müssen,“ setzte sie doch mit einem leichten Seufzer hinzu. Denn leicht war es nicht immer, das wußte sie wohl.
„Ja, und das sollst du mir hie und da sagen. Dazu will ich dich finden können — und zu manchem anderen. Du weißt es. Wenn ich es nicht mehr weiß, will ich dich fragen können.“
Sie nickte ernst und einverstanden.
„Das will ich. Das sollst du können, mein Bruder.“
Und so sah Gertrud Cabisius’ Glück aus?
So sah es aus.
Sie hatte sich einst weit aufgetan, um ein ganz großes, ganz volles Menschenlos in sich zu empfangen. Und nun war sie zufrieden, — nun fand sie eine tiefe Freude darin, dem, den sie liebte, ein ruhender Punkt, hie und da eine Zuflucht, eine Weggenossenschaft zu sein?
„Es wird nicht allen so gut,“ dachte sie dankbar. „Es ist mehr, als ich an bösen Tagen hoffen konnte.“